Im Mandatargeschäft der Ausfuhrgarantien und -bürgschaften, das die Hermes Kreditversicherungs-AG, Hamburg, im Auftrage und für Rechnung des Bundes betreibt, wurden 1957 fast 31 000 Anträge mit einer Antragssumme von mehr als 10 Mrd. DM bearbeitet. Wie die Gesellschaft in ihrem Geschäftsbericht mitteilt, wurde ihre Innen- und Außenorganisation dadurch in stark erhöhten-Maße in Anspruch genommen. Von der Zail der Anträge entfiel fast die Hälfte auf den Ausfuhrhandel, während nach den Antragssummen der Maschinenbau weitaus an der Spitze stand.

Der Garantiefonds für die Sicherheitsleistungen und Gewährleistungen im Ausfuhrgeschäft, der auf jetzt 9,5 Mrd. erhöht wurde, war Ende 1957 mit 7,2 Mrd. DM ausgenutzt. Die Entlastungen des Garantierahmens durch die Rückbuchung erledigter Garantien und Bürgschaften haben sich gegenüber den vorausgegangenen Jahren deutlich verlangsamt. Die Ursachen dafür liegen nach Ansicht der Hermes einmal in einer durch den stärker gewordenen internationalen Wettbewerb hervorgerufenen Ausdehnung der Kreditfristen sowohl bei der Lieferung von Investitionsgütern als auch von Konsumgütern, zum anderen in einer Reihe von Umschuldungsmaßnahmen, die die Prolongation bestimmter ausländischer Warenschulden, teilweise auf mehrere Jahre, zum Gegenstand haben.

Auch 1957 blieben die Schadenszahlungen für wirtschaftliche Schäden gering, obwohl die Zahl der Schadensfälle gestiegen ist. Dagegen waren für politische Schäden, insbesondere für Transferverzögerungen, erneut hohe Beträge aufzubringen, denen jedoch auch beträchtliche Rückflüsse gegenüberstanden. Insgesamt hat die Hermes im Berichtsjahr über 5700 einzelne Schadensfälle reguliert, von denen die meisten wiederum auf Kolumbien und die Türkei entfielen. Mit Kolumbien wurde im Anschluß an das früher vereinbarte Abkommen ein weiterer Vertrag zur Regelung von Transferrückständen abgeschlossen, der eine Barquote von nur 20 v. H vorsieht, während für den Rest staatliche Schuldverschreibungen gegeben werden, die ab 1. Januar 1959 innerhalb von drei Jahren eingelöst werden sollen. Auch der bolivianischen Staatsbank wurde ein Aufschub für bestimmte Zahlungsverpflichtungen aus Lieferungen deutscher Ausführer gewählt, für die der Bund bedingungsgemäß in Vorlage tritt.

Wie die Gesellschaft weiter mitteilt, hat der Bund ferner zur Abwendung sich abzeichnender politischer Schäden bei in Deckung genommenen Ausfuhrgeschäften mit verschiedenen Ländern Prolongationsvereinbarungen getroffen, auf Grund derer er nicht unerhebliche Vorlagen zu leisten hatte und noch zu leisten haben wird. Die seit dem Inkrafttreten des Gesetzes über die Übernahme von Sicherheitsleistungen und Gewährleistungen im Ausfuhrgeschäft bis zum 31. Dezember 1957 vom Bund erzielten Einnahmen aus den Ausfuhrgarantien und -bürgschaften reichten zur Bestreitung aller Aufwendungen einschließlich der erwähnten Prolongationsvorlagen nicht aus, so daß zusätzlicheHaushaltsmittel in Anspruch genommen werden mußten. Die im Herbst 1957 erfolgte Ermäßigung der Deckungsquote für das Konvertierungs- und Transferrisiko von 80 v. H. auf 75 v. H. und die Verlängerung der Karenzfrist für dieses Risiko von drei auf vier Monate war nach dem Bericht der Hermes nicht zuletzt in dieser Inanspruchnahme begründet.

In der Hauptversammlung wurde berichtet, daß in den ersten 6 Monaten des Geschäftsjahres 1958 die Entwicklung der auf eigene Rechnung betriebenen Kredit-, Kautions- und Vertrauensschaden sicherungsgeschäfts den Erwartungen entsprochen hat. Die Prämieneinnahme konnte stärker als in der Vergleichszeit des Vorjahres gesteigert werden. Der Schadenverlauf ist bisher weiterhin gut gewesen. Auf dem Gebiet der im Auftrag und für Rechnung des Bundes bearbeiteten Ausfuhrgarantien und -bürgschaften hat sich die Zahl der bearbeiteten Anträge in den ersten 6 Monaten des laufenden Jahres leicht verringert. Außen- und Innenorganisation ist aber unvermindert durch die Man-, dataraufgaben stark beansprucht, nicht zuletzt durch die bekannten Transferschwierigkeiten in einigen ausländischen Absatzgebieten, die Konsolidierungs- und Umschuldungsmaßnahmen erforderlich gemacht haben. B. R.