Über der Geschichte des deutschen Heeres steht am Anfang des 20. Jahrhunderts der Name Schlieffens, des Feldherrn, der nie ein Heer im Kriege zu führen hatte, dessen Wirkung aber die deutschen Operationen zu Beginn des 1. Weltkrieges und die sie leitenden Generale stark beeinflußt hat. Schlieffen gilt gewöhnlich als der Nur-Soldat; daß er einem Adjutanten, der ihn auf die Schönheit eines Tales hinwies, geantwortet habe: „als Hindernis ohne Bedeutung“, das ist für sein Bild charakteristisch. Nun werden uns seine Briefe vorgelegt, und dieses Bild wird doch wesentlich menschlicher.

Generalfeldmarschall Graf Alfred von Schlieffen, Briefe; herausgegeben und eingeleitet von Eberhard Kessel; Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen; 19,80 DM.

Es ist im wesentlichen der jüngere und der sich auf der Höhe des Mannesalters befindende Schlieffen, der in dieser Sammlung spricht. Er berichtet anschaulich von Dienst und Feldzügen und hat eine Freude daran, Menschen mit knappen Beiworten scharf zu charakterisieren.

Der Chef des Generalstabes und der im Ruhestand lebende General kommen nur in wenigen Briefen zu Wort; die letzten berühren zum Teil seine kriegsgeschichtlichen und militärwissenschaftlichen Studien. Das hat den Herausgeber veranlaßt, in seiner ausführlichen Einleitung auch auf die Frage des „Schlieffenplanes“ einzugehen und Schlieffen gegen Kritik in Schutz zu nehmen; hier liegt eine beachtliche Studie von selbständigem Wert vor.

Über den Generalstab von 1918 bis 1945 handelt W. Erfurth, der als Miterlebender und Mitbeteiligter und doch aus der Distanz des erfahrenen Historikers schreibt:

Waldemar Erfurth: „Die Geschichte des Deutschen Generalstabes, 1918–1945“, Musterschmidt Verlag, Göttingen; 24,– DM.

Der Verfasser bietet hier zum ersten Male eine wirklich belegte Generalstabsgeschichte der jüngsten Zeit, manchen Kritikern sicher etwas zu apologetisch. Aber gerade eine solche Apologie hat ihren Wert als Beitrag zu einer künftigen Heeresgeschichte. Die führenden Generalstäbler werden aus persönlicher Kenntnis heraus charakterisiert. Im ganzen liegt der dokumentarische Schwerpunkt des Buches auf der Zeit nach 1932, aber auch für die frühere Geschichte der Reichswehr ergibt sich Material.