Vielleicht ist in den letzten Jahren zu viel von der Revolutionierung der Bayreuther Festspiele geredet und geschrieben worden; vielleicht auch konnte ein Blick auf den Besetzungszettel Bayreuths in einem harmlosen Kunstglobetrotter den Eindruck erwecken, es handle sich um eine Besatzung von Angehörigen sämtlicher UNO-Staaten. Wie anders erklärt es sich sonst, daß ein Wagnerpilger aus Texas in Paris den Mut zur Weiterreise verlor, sich mit Bayreuth telephonisch verbinden ließ und erklärte, in Anbetracht der bedenklichen politischen Lage und der drohenden militärischen Operationen dortselbst wolle er doch lieber auf den Besuch verzichten. Erst der wendigen Beredsamkeit des Verkehrsbüroleiters am anderen Ende der Leitung gelang es nach schwierigem Gespräch, das Mißverständnis aufzuklären.

Aus welchem weltfernen Winkel des Staates Texas muß man kommen, um einer solchen Verwechslung fähig zu sein? Doch einen weiteren Aspekt erhält dieser Vorfall, wenn man bedenkt, was Richard Wagner mit seinen Festspielen beabsichtigte, wie bewußt und fürsorglich er dafür einen möglichst entlegenen, vom mondänen Kunstbetrieb unberührten Ort aussuchte. Er würde jenen Mann umarmen, ihm eine Ehrenkarte für den ganzen Aufführungszyklus schenken und dann mit ihm in seine von Bayreuth und Beirut gleichermaßen entfernte Heimat fahren, um dort – noch einmal einen Versuch zu machen. ath