G. Z., Knittlingen

Ein außergewöhnliches Angebot macht jetzt die Stadt Knittlingen im Württembergischen: Sie hat eine noch nie benutzte, gut erhaltene Eisenbahnbrücke zu verschenken. Nicht einen Pfennig will die Stadt für die Sandsteinbrücke haben – wenn sich nur ein Interessent dafür findet. Lediglich die Kosten der Abbrucharbeiten müßte er tragen.

Die Brücke, 25 Meter lang, 3,5 Meter breit, liegt mitten in der Ortschaft und muß verschwinden, weil gerade hier eine Siedlung entstehen soll. "Wir haben aber wenig Hoffnung, daß sich jemand findet, der die Brücke haben will", sagt man im Bürgermeisteramt. Sandstein sei heute nicht gefragt. "Wäre es eine Eisenkonstruktion, hätten uns die Schrotthändler längst das Haus eingelaufen."

Seit 40 Jahren steht die Brücke unbenutzt, sinn- und zwecklos da – Erinnerung an ein steckengebliebenes Projekt der Reichsbahn, die nach dem ersten Weltkrieg das Hinterland der alten Faust-Stadt Knittlingen mit einer Eisenbahnlinie erschließen wollte. Ein paar Kilometer wurden gebaut, aber dann begrub das Inflationsjahr 1923 den Knittlinger Eisenbahntraum. Zurück blieben nur die Brücke und ein voreilig gebautes Bahnhofsgebäude...

Den Bahnhof, auf dem noch nie ein Zug angekommen ist, hatte die Reichsbahn 1940 schon der Stadt geschenkt; längst dient er als Wohnhaus, und die Knittlinger fahren mit dem Omnibus. Übriggeblieben vom Knittlinger Bahn-Boom ist nur noch die Brücke.

"Wir haben auch schon an die Bundeswehr geschrieben, ob sie die Brücke nicht als Sprengobjekt für die Pionierrekruten verwenden will", berichtet der Bürgermeister. Die Antwort steht noch aus.