"Marschverpflegung"

In der Ausgabe Nr. 28 Ihrer Zeitung unterzieht Ihre Rhein-Ruhr-Redaktion die "Marschverpflegung" der diesjährigen Mannesmann-AG-Hauptversammlung der Kritik. Diese Ausführungen veranlassen mich jedoch zu folgender Ergänzung:

Es entspricht den Gepflogenheiten renommierter Gesellschaften, ihre Anteilseigner im Anschluß an Hauptversammlungen zu bewirten; meist in Form eines "klein nen Imbisses". Die Firmen verfolgen damit die Absicht, einen persönlichen Kontakt zwischen der Verwaltung und den Kapitalträgern zu schaffen. Diesem Ziel gelten die Bemühungen der Mannesmann AG. Allerdings sucht sie es mit anderen Mitteln zu erreichen. Das Unternehmen legt auch als bis heute einzige deutsche Gesellschaft eine eigene Aktionärszeitschrift auf.

Die Mehrzahl vergleichbarer Konzerne läßt ihr "Bemühen" dem Anteilseigner in Gestalt nicht gerade trockener Diners servieren. Die gewollten oder unerwünschten Wirkungen bleiben nicht aus. Ein Teil der Aktionäre wähnt sich in Auerbachs Keller. Eine Vertrauensbasis zwischen der Gesellschaft und ihren Kapitalträgern setzt aber keinen übertriebenen Luxus voraus, der dem Bedenken Nahrung gibt, daß das Unternehmen auf anderen Gebieten ebenso verschwenderisch wirtschaftet.

Die Mannesmann AG erwirbt sich die Sympathien ihrer Anteilseigner auf sachlicher Grundlage. Eine günstige DM-Umstellung, zwei Bezugsrechte im Verhältnis 4:1 zu einem Kurs von 110 v. H. bzw. 3:1 zu einer Nennwertnotierung und hohe Dividenden beweisen das. Die Rendite der Mannesmann-Aktie wird unter den Montanpapieren neuerdings lediglich von der der Rheinstahl-Aktie übertroffen. Wenn die Mannesmann AG für die diesjährige Hauptversammlung die bisher übliche Bewirtung ihrer Aktionäre gestrichen hat, so ist das nur zu begrüßen. Der Sinn einer Hauptversammlung liegt im Gespräch zwischen den Anteilseignern und der Verwaltung des Unternehmens. Ihm werden volksfestartige Hauptversammlungen, wie vornehmlich in den USA üblich, nicht gerecht. G. H., Mehlem/Rhein