Die ausschließlich im Besitz der bundeseigenen Vereinigte Elektrizitäts- und Bergwerks-AG (VEBA), Hamburg, befindliche Bergwerksgesellschaft Hibernia AG in Herne/Westf., wird auch im Jahre 1958 etwa den gleichen Betrag wie im Vorjahr in Sachanlagen investieren, und zwar 118 bis sogar 140 Mill. DM, wie die Vorstandsmitglieder Dr. von Dewall und Trapmann auf einer Pressekonferenz ausführten. Die Hibernia will nach Fertigstellung der Schachtanlagen im Jahre 1962 in neun Schächten je 1,3 bis 1,4 Millionen Tonnen fördern gegenüber je 990 000 t in elf Schachtanlagen im Jahre 1957 und je 840 000 t in zwölf Schächten im Jahre 1938. Der neue Zentralschacht der Zeche Westerholt erreicht in wenigen Wochen die Endtäufe und soll Mitte 1960 in Betrieb genommen werden. Ein Jahr später soll der Zentralschacht in Shamrock fertiggestellt sein. Ebenfalls Mitte 1960 soll das Verbundblockkraftwerk mit einer Leistung von 150 MW in Betrieb genommen werden.

Das Berichtsjahr 1957, dessen Abschluß von der VEBA als dem einzigen Aktionär genehmigt wurde, brachte eine Verschlechterung der Ertragslage. Direktor Trapmann gab den intern errechneten Betriebsgewinn (vor Sonderabschreibungen und Steuern) mit 30 Mill DM an, während er im Vorjahr von 50 auf 56 Mill. DM gestiegen war. Die Beibehaltung der alten Dividende von 7 v. H. wurde erleichtert, weil durch den Verkauf von 51 v. H. des Aktienkapitals von Emscher Lippe als Buchgewinn und außerordentlicher Ertrag 15 Mill. DM ausgewiesen werden können. Die neuen Aktien sind zeitanteilig dividendenberechtigt.

Die Gesamtumsätze stiegen von 785,5 auf 833,6 Mill. DM. Die Hibernia hatte infolge geologischer Störungen 1957 einen überdurchschnittlichen Rückgang der Kohlenförderung von 11,04 auf 10,84 Mill. t, Schichtleistung untertage 1539 gegen 1541 kg. Die Kokserzeugung stieg dagegen 1957 um 12,3 v. H. auf 3,26 Mill. t, die Rohteergewinnung um 8 v. H. auf 123 000 t, die Ammoniakgewinnung um 14 v. H. auf 9189 tN, die Stromerzeugung um 32 v. H. auf 2475 Mill. kWh, die Erzeugung von Primärstickstoff um 16 v. H. auf 105 000tN. Der Anteil an der Ruhrkohlenförderung ist mit 8,8 leicht ermäßigt, an der Kokserzeugung mit 7,8 um 0,5 v. H. erhöht, an der Stromerzeugung mit 20,7 um 3 v. H. erhöht. Die Gesamtumsätze stiegen von 785,5 auf 833,6 Millionen DM.

Die Grubenbetriebe hatten bis zur Kohlenpreiserhöhung einen "beträchtlichen Betriebsverlust", was in den Debatten um den 1. Oktober 1957 oft zitiert worden ist. Mit der Kohlenpreiserhöhung wurde eine Kostendeckung "annähernd erreicht." Die Kokereien hatten einen Betriebsgewinn. Die chemischen Betriebe zogen aus der Rationalisierung einen Nutzen, hatten aber noch keinen Betriebsgewinn. Bei den Kraftwerken war trotz der 32prozentigen Mehrerzeugung der Durchschnittserlös niedriger als im Vorjahr.

Die Gewinn- und Verlustrechnung läßt trotz der kritischen Lage der Zechen auch für 1957 noch eine gute Ertragskraft erkennen, wenn auch nicht mehr eine so starke wie für 1956, das ein besonders gutes Jahr war. Rohüberschuß erhöht auf 499,05 (486,04) (in Mill. DM) außerordentliche Erträge, vor allem dank Veräußerungsgewinn beim Verkauf von 51 v. H. Emscher Lippe-Aktien, 20,21 (6,42), Beteiligungserträge 11,1 (10,6), Entnahme aus Rücklagen für Lastenausgleich unverändert 13,21, Gesamterträge 543,56 (516,45). Die Abschreibungen konnten bei Sonderabschreibungen gem. § 81 von 10,21 (4,52 nach § 36) auf 94,79 (81,89) erhöht werden. Für die Beurteilung der Ertragskraft ist auch noch bemerkenswert, daß die Rückstellungen sich um 3,7 verringerten gegenüber einer Zunahme von 51,1 im Vorjahr. Der Rückgang betrifft die sonstigen Rückstellungen mit 16,6, Rückstellungen für Bergschäden dagegen erhöht um 6,9 (3,4), für Ruhegehälter dagegen nur noch um 6,0 (12,9). Umlaufvermögen 294‚9 (284,91), wertberichtigt gemäß § 7 75,43 (69,06). Grundkapital 350 (300), von dem am 31. Dezember 1957 noch 37,5 einzuzahlen waren, Rücklagen 416,08 (428,94), Rückstellungen 194,08 (197,77), Verbindlichkeiten 230,68 (181,16). K.