DIE ZEIT

Ein Imperialist

Enrico Mattei, Präsident der ENI, der staatlichen italienischen Petroleum-Gesellschaft und Erzfeind der großen anglo-amerikanischen und französischen Ölgesellschaften, befindet sich zur Zeit in Rabat, um einen Vertrag mit der marokkanischen Regierung abzuschließen.

Das Gipfelkreuz

Jetzt scheint es wenigstens halbwegs sicher, daß die Konferenz, welche die Regierungschefs der vier Großmächte und Indiens zur Beratung der Nahostfragen versammeln sollte, wirklich stattfinden wird.

Armes Christentum

Wahl, Vereidigung und Amtseinführung des neuen Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen, Franz Meyers, ging in eitel Harmonie und mit vielem Händeschütteln über die Bühne.

Jetzt auch die Ärzte?

In der Universität in Jena richtete der Sekretär des ZK der SED, Hager, an die dort versammelten Wissenschaftler die Frage, ob nicht der jahrtausendealte Eid des Hippokrates, der die Grundlage des ärztlichen Ethos bildet, einer Ergänzung bedürfe.

Ladies last

Mancher schon ist erschrocken, auf den ersten Blick die britische Muster- und Mutter-Demokratie ganz undemokratisch gefunden zu haben.

Schörners Abgang

Das Schlußkapitel zum Fall Schörner kann geschrieben werden: Der Bundesgerichtshof hat das Urteil des Münchener Schwurgerichts gegen den Generalfeldmarschall a.

Bagdadpakt ohne Bagdad

Der Bagdadpakt war aus einer türkisch-irakischen Allianz entstanden: Irak war der Eckstein jenes „nördlichen Riegels“ prowestlicher Staaten, der alle sowjetischen Expansionsversuche nach Westen von vornherein vereiteln sollte.

Onkel Sams Feuerlöscher

Noch keine vierzig Stunden waren seit der Ausschiffung der ersten amerikanischen Landungseinheiten an der libanesischen Küste vergangen, die Marine-Infanteristen hatten eben erst ihre Schützenlöcher auf dem Beiruter Flughafen ausgehoben und die Geschütze in Stellung gebracht, da setzte ein Düsentanker des Strategischen Luftkommandos der US-Air-Force auf der Landepiste Beiruts auf.

Wodka und Öl für Raab

Der Besuch der österreichischen Regierungsdelegation in Moskau war ein Intermezzo im weltpolitischen Drama. Zwischen Nahostkrise und Gipfelkonferenz gab es dabei im Kreml Lächeln und frohe Worte, Wodka ohne Tränen, die selbstsichere Behaglichkeit Bundeskanzlers Raab das skeptische Lächeln seines Staatssekretärs Kreisky und es gab dort die Scherze Mikojans und die Trinksprüche Chruschtschows.

ZEITSPIEGEL

Nach alter orthodoxer Überlieferung, die auch der Talmud anerkennt, konnte bisher nur der als echter Jude gelten, der eine Jüdin zur Mutter hatte.

Kompromiß mit der Kirche

Die Bedeutung der Verhandlungen, die kürzlich zwischen Vertretern der Evangelischen Kirche und der Pankower Regierung geführt wurden, ist nur zu verstehen vor dem Hintergrund der Kampfsituation, in der sich Kirche und Staat in der Sowjetzone monatelang befunden haben.

Nach der Intervention im Libanon

Dieses eine ist gewiß: Als Präsident Eisenhower Mitte Juli amerikanische Truppen in den Libanon beorderte, hat er es sich nicht träumen lassen, daß dieser Entschluß die Wahrscheinlichkeit eines Gipfeltreffens mit Nikita Chruschtschow beträchtlich erhöhen werde.

Macmillan wittert Morgenluft

In London raunen sich die politischen Witzbolde zu, die inzwischen berühmt gewordene Nachtsitzung des Kabinetts, in der die Truppenentsendung nach Jordanien beschlossen wurde, habe vielleicht nicht nur wegen der Orientkrise so endlos lange gedauert, sondern möglicherweise auch deswegen, weil sich die Minister über ein ganz anderes Problem den Kopf zerbrochen hätten: nämlich über den Termin für die Unterhauswahlen.

Drei Prominente in Bonn

Der Besuch des amerikanischen Außenministers in Bonn bestätigte zweierlei: erstens, daß es angesichts der engen, für uns lebenswichtigen Interessengemeinschaft zwischen den Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik ein Abweichen der Bonner Politik von der gemeinsamen Linie in wichtigen Fragen gar nicht geben kann; zweitens, daß das Mißtrauen auch im befreundeten Ausland gegen uns noch immer groß ist, sonst hätte nicht die Besorgnis in Washington entstehen können, die Bundesrepublik wolle wegen bestimmter wirtschaftlichen Interessen im Nahen Osten dort ihren eigenen Weg gehen.

Pro oder contra de Gaulle

In der ersten Augusthälfte wird de Gaulle den Text der neuen Verfassung, die er und seine Leute für Frankreich entworfen haben, einer beratenden Versammlung von Abgeordneten, Senatoren und Juristen vorlegen, die dann einen Monat Zeit haben, die Neuerungen zu überprüfen und zu bedenken.

Als Bildhauer in Sardinien

Über die in der Erde Sardiniens gefundenen Kleinbronzen ist schon manches geschrieben worden, aber noch kaum etwas vom eigentlich künstlerischen Standpunkt aus Erlebtes.

Nr. 31 vom 29. Juli 1948: Stützpunkt Cypern

50 Minuten Flugreise trennen Cypern von Beirut; zwei Stunden von Kairo ... Orient und Abendland treffen aufeinander. Seit urdenklichen Zeiten hat diese Insel eine ungewöhnliche Anziehungskraft auf Monarchen, Despoten und Piraten ausgeübt.

Zeit-Fragen

Lange Zeit galt es als ein Zeichen von romantischem Infantilismus oder gar von unerwünschtem Defaitismus, wenn man feststellte, daß sich das Wetter in den Breitengraden der Erde, die uns interessieren – da wir zufällig dort wohnen – geändert hat, und das, dem landesüblichen Geschmack nach, nicht zu seinem Vorteil.

Bayreuther Dirigenten

Auf dem Bayreuther Festspielprogramm stehen in diesem Sommer acht Werke Richard Wagners. Fünf davon – nämlich den Zyklus „Der Ring des Nibelungen“ und den „Parsifal“ – dirigiert Hans Knappertsbusch, der Siebzigjährige.

Wie Barlach Goethe sah

Barlachs Druckgraphik bildete bisher den weniger bekannten Teil seines Werkes. Ruhm und Anerkennung konzentrierten sich auf der Bildhauer.

Russische Notbremse

Michail Michailowitsch Soschtschenko, der große russische Satiriker, ist knapp drei Wochen vor seinem 63. Geburtstag in Leningrad gestorben.

Bayreuth – zu ungemütlich?

Vielleicht ist in den letzten Jahren zu viel von der Revolutionierung der Bayreuther Festspiele geredet und geschrieben worden; vielleicht auch konnte ein Blick auf den Besetzungszettel Bayreuths in einem harmlosen Kunstglobetrotter den Eindruck erwecken, es handle sich um eine Besatzung von Angehörigen sämtlicher UNO-Staaten.

ZEITMOSAIK

Eine Gruppe junger Pariser Schriftsteller hat in Nizza eine Beratungsstelle für Touristen eröffnet, denen die Betextung ihrer Ansichtskarten Schwierigkeiten macht.

Unser Seller-Teller Juli 1958

In jedem Monat fragen wir führende Buchhandlungen des Bundesgebietes: Welche Bücher haben Sie am besten verkauft? Die Bücher, die von den meisten Buchhandlungen genannt werden, kommen auf den Seller-Teller.

Das Theater hat keine Grundfunktion

Ich vermute, daß Siegfried Melchinger, Kritiker und Autor einiger Bücher über das Theater, der bekannteste deutsche Theaterreferent in Südkalifornien ist.

Barnicks Pferdekur

Wer sich nicht dem Wehrdienst, dieser Grundform des Bürgerdienstes am Staat, mit Erfolg unterzieht, hat seine Chance, ein Vollbürger zu werden, fürs ganze Leben verwirkt.

Diesmal nicht gemogelt

Zuweilen gewinnen „die kleinen Jungen“ freilich erst dann, wenn sie zu mogeln aufgehört halten. Eine gute Schule, schreibt Rezzori, lehre als das Allerwichtigste eine kleine Portion Zynismus.

Abkehr vom Kommunismus

Die russische Revolution hatte sich mit einem ihr fraglos wertvollen moralischen und politischen Tabu umgeben, das am wirkungsvollsten Ausdruck fand in der Parole: „Hände weg von Sowjetrußland.

Niedersachsen: Manöverkritik aus der Heide

Alle Jahre wieder, wenn die Gerste gelb und die Heide rot wird, kommt aus Niedersachsen die Klage über Manöverschäden. Panzer zerwühlen bestellte Äcker, Fahrzeuge rollen durch die Felder, Signalmunition setzt Waldstücke in Brand.

Hamburg: Der Oberbaudirektor spielt mit Klötzchen

Die Freie und Hansestadt Hamburg und der Zentralverband des Deutschen Gemüse Obst- und Gartenbaues e. V. veranstalten im Jahre 1963 eine Internationale Gartenbauausstellung als eindrucksvolle Kundgebung deutscher und ausländischer Gartenkultur und eine umfassende Leistungsschau des gesamten Gartenbaues der beteiligten europäischen und überseeischen Länder.

Stolz – fransig

Ich kaufte in der Innenstadt Milch, weil vorauszusehen war, daß ich meinen heimatlichen Milchladen vor Ladenschluß nicht mehr erreichen würde.

Baden-Württemberg: Tabu fürs Tonband

Tonbandaufnahmen von Privatgesprächen sind widerrechtlich, hat der Bundesgerichtshof letzte Woche in einem Urteil entschieden, das bei allen ungeteilten Beifall finden wird, die sich seit einiger Zeit über die grassierende „Tonbandseuche“ Sorgen machen.

Turner ohne Unterkunft

Das Deutsche Turnfest 1958 in München stellte allerhand Anforderungen an die zig Tausende von Teilnehmern, denen es nicht immer leicht fiel, Lust, Laune und Spannkraft zu behalten.

Brücke zu verschenken

Ein außergewöhnliches Angebot macht jetzt die Stadt Knittlingen im Württembergischen: Sie hat eine noch nie benutzte, gut erhaltene Eisenbahnbrücke zu verschenken.

„Soziologie“ der Großindustrie

Kritiker der modernen industriellen Entwicklung sagen, der Großbetrieb zeichne sich durch eine starke innere Unruhe aus. Seine Belegschaft sei eine anonyme Masse, innerhalb derer es nicht zu persönlichen Beziehungen komme.

Menschen sind nicht austauschbar

Wie steht es mit der berühmten Anonymität des Großbetriebes: Man soll überlegen, was solche Begriffe konkret bedeuten. Mit Anonymität meint man, daß der einzelne seinen „Namen“, d.

Freihandelszone noch aktuell

Der Himmel ist am vergangenen Wochenende über dem Château de la Muette in Paris, dem Sitz des Europäischen Wirtschaftsrates, nicht eingestürzt; Maudling hat nicht demissioniert; die „Sechs“ der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft haben das seit Monaten angekündigte gemeinsame Memorandum über die Europäische Freihandelszone nicht vorgelegt; ein Rahmen- oder provisorisches Abkommen zum 1.

Kompromisse in Sicht

Frankreich hat seinen gundsätzlichen Widerstand gegen die Freihandelszone aufgegeben. Auf der anderen Seite des grünen Tisches in Paris hat sich auch der britische Unterhändler zu einer flexibleren Haltung entschlossen.

Die Türkei überfordert sich selber

Bundeskanzler Adenauer hat vor wenigen Tagen in Bonn mit dem türkischen Ministerpräsidenten Adnan Menderes konferiert. Thema der Besprechungen war eine deutsche Wirtschaftshilfe an die Türkei, zu der sich die Bundesrepublik inzwischen grundsätzlich bereit erklärt hat.

Zerbrochene italienische Gewerkschaften

Die recht begründete Kritik an der mangelnden politischen Neutralität des Deutschen Gewerkschaftsbundes und der ihm angeschlossenen Verbände hat in der Bundesrepublik das Thema „Einheitsgewerkschaft“ erneut zur Diskussion gestellt.

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