Frankreich hat seinen gundsätzlichen Widerstand gegen die Freihandelszone aufgegeben. Auf der anderen Seite des grünen Tisches in Paris hat sich auch der britische Unterhändler zu einer flexibleren Haltung entschlossen. Es steht jetzt fest, daß weder de Gaulle noch Macmillan eine handelspolitische Zerreißprobe in der "Entente Cordiale" wagen wollen. Die Freihandelszone wird wahrscheinlich Zustandekommen. (Vgl. den nebenstehenden Bericht aus Paris.)

Wann und in welcher Gestalt das Projekt das Licht der Welt erblicken wird, ist weniger klar. Geplant ist ein Kompromiß. Seine Bedeutung geht aus den Spielregeln der Freihandelszone hervor. Die 17 Mitgliedsländer der OEEC wollen zwar, wie die sechs "Kernländer" des Gemeinsamen Marktes, im gegenseitigen Handel schließlich alle Zölle abschaffen. Im Unterschied zur Regelung im Gemeinsamen Markt sollen aber die Mitglieder der Freihandelszone, welche nicht der "Sechser-Gemeinschaft" angehören, ihre Zölle auf Importe aus der übrigen Welt weiterhin nach nationalem Gutdünken gestalten können. Diese, mangelnde Harmonisierung der Außenzölle in der Freihandelszone bringt die Gefahr der Handelsverlagerung mit sich: Güter aus Übersee könnten zunächst in ein Niedertarifland der Freihandelszone importiert und aus diesem – zollfrei – in ein Land mit höheren Zöllen re-exportiert werden.

Verschiedene Verfahren sind bisher vorgeschlagen worden, die eine solche Verlagerung verhindern sollen. Der Ministerrat der EWG hat nun einen Kompromiß zwischen diesen Methoden vorgeschlagen. Je nach dem Sektor der Volkswirtschaften sollen entweder: 1. die Ursprungskontrolle, 2. der "Carli-Plan" oder 3. die Zollharmonisierung angewandt werden.

Die Ursprungskontrolle entspricht den bisherigen britischen Vorschlägen. Gemäß diesem System muß im Handel zwischen den Mitgliedern der Freihandelszone der Wertanteil der gehandelten Ware ermittelt werden, der auf Rohstoffe und Halbfabrikate entfällt, die nicht aus der Freihandelszone stammen. Diese Quote wird im Importland, das die Ware aus einem Zonen-Partnerland bezieht, mit einem Zollsatz belastet, der gleich der Differenz zwischen den nationalen Zollsätzen in den beiden Ländern ist. Wegen seiner Kompliziertheit ist diese Methode für einige Sektoren ungeeignet.

Nach dem Plan des italienischen Handelsministers Guido Carli sollen dagegen die nationalen Zolltarife in der Freihandelszone einander so weit als möglich angenähert werden. Die Mitgliedländer haben sich auf eine maximale Differenz-Marge zu einigen, in der sich die nationalen Zollsätze bewegen dürfen. Zwischen den Ländern, deren Zölle sich innerhalb dieser Marge halten, sollen auch Güter aus der Außenwelt zollfrei gehandelt werden. Wenn die Zollsätze bestimmter Güter diesen Spielraum dagegen überschreiten, so können im Binnenhandel der Freihandelszone Ausgleichsabgaben erhoben werden. Der italienische Plan soll also die Harmonisierung der nationalen Zölle fördern. Den Mitgliedern der Freihandelszone wird zwar eine autonome Zollpolitik nicht verboten, wohl aber würde deren wirtschaftlicher Reiz vor allem in den Niedertarifländern vermindert.

Ausgleichsabgaben und Ursprungszeugnisse würden bei einer vollständigen Harmonisierung der Außenzölle der gesamten Freihandelszone dahinfallen. Da die Harmonisierung auf dem Niveau des gemeinsamen Zolltarifs der EWG stattfinden müßte, können sich aber die traditionellen Niedertarifländer (ganz abgesehen vom Sonderfall England) dazu nicht bereit finden. Alle drei Methoden werden deshalb in der Freihandelszone angewandt werden müssen. Sie wird dadurch allerdings zu einem Gebilde, das nur noch dem Spezialisten zugänglich ist. J. S.