pk, Hannover

Alle Jahre wieder, wenn die Gerste gelb und die Heide rot wird, kommt aus Niedersachsen die Klage über Manöverschäden. Panzer zerwühlen bestellte Äcker, Fahrzeuge rollen durch die Felder, Signalmunition setzt Waldstücke in Brand. Dieses Jahr haben – nach Angaben des Lüneburger Regierungspräsidiums – kanadische Truppen in der Heide an vier Juli-Tagen größeren Schaden angerichtet als im ganzen vergangenen Jahr.

Das hat die Urlaubsruhe des niedersächsischen Ministerpräsidenten Hellwege in Bayern empfindlich gestört. Erbost schrieb er in einem Brief an Bundeskanzler Dr. Adenauer, die "unerträgliche Belastung der Bevölkerung im Raum Soltau-Lüneburg durch Panzerübungen in der bisherigen Form" könne zukünftig "nicht mehr hingenommen werden." Die Frage der militärischen Notwendigkeit solcher Übungen müsse mit der britischen Seite erörtert werden. Und in einer Verlautbarung der Regierungspressestelle in Hannover heißt es: "Es dürfe erwartet werden, daß die in der Bundesrepublik stationierten Streitkräfte bei militärischen Übungen auf die lebenswichtigen Interessen der Bevölkerung die gleiche Rücksicht nehmen, die sie in ihrem eigenen Lande beobachten müssen."

Seit Monaten wird in Bonn über eine Neufassung der Manöverrechte der Stationierungstruppen verhandelt. Bisher teilen sie nach Artikel 19 des Truppenvertrages lediglich ihre Manöverabsicht in diesem oder jenem Raum mit. Die deutschen Stellen bitten dann um Schonung der zivilen (zumeist landwirtschaftlichen Belange) und die Manöver rollen ab. Siehe oben...

Wie man in Hannover hört, sind die deutschen Unterhändler jetzt bestrebt, auch auf die Manöver der Stationierungstruppen das Bundesleistungsgesetz anzuwenden. Das würde bedeuten, daß die zivilen Behörden von den uniformierten und gepanzerten ausländischen Gästen gefragt werden müßten, wenn alliierte Einheiten außerhalb der ständigen Übungsplätze Manöver durchführen wollen. Dies aber ist gewiß kein unbilliges Verlangen, wenn man bedenkt, daß die Zeiten, da wir noch keine Stationierungs-, sondern Besatzungstruppen im Lande hatten, ja lange vorüber sind.