r. g., Göppingen

Kein Platz für kleine Fische, hat das Landgericht Ulm jetzt in einem Prozeß zwischen einem Göppinger Hausbesitzer und dessen Untermieter, einem Aquarien-Liebhaber, entschieden. Eine der sehenswertesten privaten Aquariensammlungen Deutschlands, die des Göppinger Rechtsanwalts von Schoenebeck, muß nach diesem Urseilsspruch aufgelöst werden.

Der Rechtsanwalt in der Stauferstadt hatte sein Steckenpferd mit wissenschaftlicher Gründlichkeit jetrieben. In seiner Vier-Zimmer-Wohnung standen fünfzehn Becken mit einem Fassungsvermögen von 3000 Liter Wasser; darin schwammen Fische, wie man sie selbst in großen öffentlichen Sammlungen nicht zu sehen bekommt. Dem Hausbesitzer war die leuchte Liebhaberei seines Untermieters indessen recht unheimlich. Wissenschaft hin, Wissenschaft her – er fand, daß eine Wohnung zum Wohnen vermietet werde.

Das Gericht, das er anrief, gab dem Hauseigentümer recht. Der Umfang der Aquarienhaltung, der über das bei einem Liebhaber übliche Maß hinausgehe, stelle eine Zweckentfremdung der Wohnräume dar, entschied es. Deshalb müsse die Fischhaltung eingeschränkt werden: vier Aquarien erschienen dem Gericht noch tragbar.

Dem Rechtsanwalt blieb nichts anderes übrig, als sich von dem größten Teil seiner stummen Mitbewohner zu trennen. Der Frankfurter Zoodirektor Dr. Grzimek nahm ihm mit Kußhand die in Europa einmalige Sammlung von Welsen ab, darunter Exemplare, mit denen sich die Wissenschaft noch kaum befaßt hat. Die Göppinger, von denen sich viele – oft ganze Schulklassen – die Sammlung angesehen hatten, bedauern, daß sie eine zoologische Attraktion verloren haben. Und die Reiter auch anderer Steckenpferde müssen sich nach diesem Urteil fragen, ob die Sammlungen in ihrem Heim nicht etwa als "Zweckentfremdung von Wohnraum" ausgelegt werden könnten.