G. Z., Karlsruhe

Tonbandaufnahmen von Privatgesprächen sind widerrechtlich, hat der Bundesgerichtshof letzte Woche in einem Urteil entschieden, das bei allen ungeteilten Beifall finden wird, die sich seit einiger Zeit über die grassierende "Tonbandseuche" Sorgen machen. Karlsruhe hat damit durch richterlichen Machtspruch eine Gesetzeslücke ausgefüllt, die zu schließen der Bundestag bislang versäumt hat – obwohl ihm vor langem schon der CDU-Abgeordnete Dr. Bucerius einen entsprechenden Antrag vorgelegt hatte.

Die Urteilsbegründung enthält Mahnungen, die in die Gebrauchsanweisungen für Tonbandgeräte aufgenommen werden sollten. "Zwar muß jeder Gesprächspartner die Verantwortung für seine Worte tragen", heißt es darin, "doch bedeutet es eine entscheidende Verkümmerung des Menschen in der Entfaltung seiner Persönlichkeit, wenn er als Gesprächsteilnehmer befürchten muß, ohne sein Wissen auf jede Wendung eines Gesprächs, ja auf den Klang seiner Stimme mit allen Besonderheiten und Unvollkommenheiten festgelegt zu werden." Die Rechtsordnung, die die Persönlichkeitswerte zu schützen habe, so argumentiert das Gericht, dürfe einen solchen Mißbrauch technischer Einrichtungen nicht hinnehmen.

Wahrhaftig: Die Herstellerfirmen täten, gut daran, den Käufern von Bandgeräten nicht nur zu erklären, auf welche Knöpfe gedrückt werden muß, um den Mechanismus "technisch gesehen" – in Gang zu setzen, sondern gleichzeitig zu sagen, wann – "menschlich gesehen" – nicht auf den Knopf gedrückt werden darf.