w-h, München

Das Deutsche Turnfest 1958 in München stellte allerhand Anforderungen an die zig Tausende von Teilnehmern, denen es nicht immer leicht fiel, Lust, Laune und Spannkraft zu behalten. Nicht nur, daß häufig Regengüsse und kühle Temperaturen die sportlichen Veranstaltungen erschwerten und den Aufenthalt in den Zeltlagern ungemütlich machten. Es kam ein Zwischenfall hinzu, der erhebliche Mißstimmung hervorrief: rund 200 vom Wohnungsausschuß zugewiesene Quartiere gab es überhaupt nicht. An Stelle ihrer Quartiere fanden die Unterkunftsuchenden entweder Trümmergrundstücke oder auch ganz und gar nichts vor.

Der Wohnungsausschuß entschuldigte sich damit, er habe bei der Fülle der Angebote die einzelnen Adressen nicht noch rechtzeitig nachprüfen können – und diese Entschuldigung muß man billigerweise wohl auch gelten lassen. Wer hätte schon ohne besonderen Anlaß an derartig bösartige Streiche gedacht? Jedenfalls bedarf die Angelegenheit noch der Aufklärung. Doch geht wahrscheinlich die allgemeine Vermutung nicht fehl, daß die Quelle dieses Störungsversuchs in der Ostzone zu suchen ist – eben dort, wo auch die jüngsten Sabotagemanöver gegen den Geist und die Ordnung der jungen Bundeswehr ausgebrütet werden.