Die der Energieversorgung des westfälischen Wirtschaftsraumes dienende Vereinigte Elektrizitätswerke Westfalen Aktiengesellschaft, Dortmund, fordert in ihrem Jahresbericht für 1957, daß der Energiewirtschaft angemessene Finanzierungschancen erhalten bleiben müssen. Die Pläne, die eine allgemeingültige Einschränkung der degressiven Abschreibung auf das 2 1/2fache der lintaren Sätze vorsehen, werden mit Skepsis verfolgt. Eine solche Regelung würde die Energieversorgungsunternehmen wesentlich benachteiligen. Da die in ihnen arbeitenden Anlagegüter überwiegend langlebig sind, trifft sie die bei längerer Nutzungsdauer sich ergebende stärkere prozentuale Senkung der Abschreibungssätze in vollem Umfang. Aus demselben Grunde biete auch die Ausdehnung der degressiven Abschreibung auf Anlagen mit einer Nutzungsdauer unter zehn Jahren keinen Ersatz. Allein für die öffentliche Elektrizitätswirtschaft würde sich der Ausfall von Finanzierungsmitteln nach der vorgesehenen Regelung innerhalb von fünf Jahren auf 820 Millionen DM belaufen.

Aufmerksamkeit wird auch dem Thema Atomenergie gewidmet. Die VEW gehört als Gesellschafter der Studiengesellschaft für Kernkraftwerke mbH. Hannover, an. Im Laufe dieses Jahres wird die VEW zusammen mit ihren Partnern vor der Frage stehen, ob und wem von den im Rahmen des deutschen Atomprogramms arbeitenden Reaktorbaufirmen ein Projektierungsauftrag erteilt werden soll.

Das vergangene Jahr brachte der Gesellschaft einen Stromumsatz von 4,98 Milliarden kWh; das bedeutet eine Zunahme von 5,4 (13,6) Prozent gegenüber einer bundesdurchschnittlichen Erholung von 9 v. H. Im Bereich der Gasversorgung ergab sich jedoch im Gegensatz zum Bundesdurchschnitt (minus 0,1 v. H.) eine Zunahme von 6,2 v. H. (15,4 v. H.) auf 502 Mill. cbm. Die Wasserversorgung ging um 0,4 (1956 plus 2,59 v. H.) auf 4,82 Mill. cbm zurück. Bei der Gasversorgung wirkte sich das Hinzukommen der Versorgung der Stadt Witten aus. Auch im laufenden Jahr rechnet man mit einer weiteren positiven Entwicklung. Stromverbrauch und Leistungsbedarf sind in den ersten Monaten 1958 erneut gestiegen. Nachdem für 1957 acht (sieben) v. H. Dividende verteilt worden sind, erwartet man wieder ein befriedigendes wirtschaftliches Ergebnis und hält zunächst an der jährlichen Investitionsquote von (alles in Mill. DM) 100,0 fest. Im Berichtsjahr wurden 92,07 (74,51) investiert. Zudem wurden für Investitionszwecke Bankguthaben und Wertpapiere von 29,57 (23,65) bereitgestellt, so daß das Brutto-Anlagevermögen erstmals die Milliardengrenze überschritten hat und mit 1049,08 (966,56) ausgewiesen werden kann.

Aus Abschreibungen und Wertberichtigungen konnten 43,92 (53,77) finanziert werden, so daß sich das Konto Wertberichtigungen auf 538,12 (505,95) erhöhte. Die ausstehenden Einlagen auf das Grundkapital von 182,0 verminderten sich auf 4,7 (19,0). Die weitere Finanzierung erfolgte durch Fremdmittel, die von 155,82 auf 206,46 gestiegen sind. Dazu kommen 77,36 (66,64) Rechnungsabgrenzung und 123,32 (92,70) Rückstellungen. Hier ist besonders die Erhöhung der Rückstellung für Ruhegelder auf 97,31 (83,71) bemerkenswert, aber auch die Zunahme der Rückstellung für sonstige Zwecke auf 26,01 (8,99) durch Zuführung für Kohleimportverträge, Dollarbonds-Zinsen und besondere Risiken. Die bisher an erster Stelle des Grundbuchs eingetragenen Dollar-Hypotheken sind in der Berichtszeit gelöscht worden. Der Vorstand ist bekanntlich ermächtigt, eine Aufstockung des Kapitals um 40,0 innerhalb der nächsten fünf Jahre vorzunehmen. Das Gesamtvermögen beträgt nunmehr 1,20 (1,09) Milliarden DM.

Die Erfolgsrechnung schließt mit einem Gewinn von 14,56 (12,74), der auf die Dividendenausschüttung zugeschnitten ist. Die Betriebserträge haben sich auf 441,62 (402,31) erhöht. Für Steuern waren 28,09 (17,19) zu zahlen. Im wesentlichen ist die Zunahme auf den höheren Jahresgewinn zurückzuführen. Zusätzlich muß man beachten, daß durch die Ausschüttung der Entnahme aus der freien Rücklage für die Kapitalerhöhung in Höhe von 14,3 die Körperschaftssteuer 1956 niedriger war. jfg.