In Karlsruhe, der Residenz des Rechts – Der Alltag des Bundesverfassungsgerichts

Von Gerhard Ziegler

Karlsruhe, im Juli

An der Toreinfahrt des Hauses Karlstraße Nummer 10 in Karlsruhe langweilt sich ein Kriminalbeamter. Wer vom Polzeipräsidium hierher abkommandiert wird, "schiebt eine ruhige Kugel". Als Posten vor dem Bundesverfassungsgericht hat man keine unliebsamen Überraschungen zu erwarten. Die Beine werden mehr strapaziert als der Kopf. Es gibt wenig, womit man sich die Zeit vertreiben könnte.

Etwas Abwechslung bringt nur morgens der "Ansturm" der Belegschaft des Hauses. Im Laufe der Zeit lernt man die Feinheiten eines wohlabgestuften Dienstbeginns kennen. Das Fußvolk der "kleinen Angestellten" und "Unter-Beamten" zieht pünktlich um 8 Uhr an der Pförtnerloge vorbei. Zuvor haben 5.30 Uhr die Putzfrauen den Reigen eröffnet. Sie müssen den Aktenstaub von den Schreibtischen gewedelt haben, ehe der "Sturm auf die Arbeitsplätze" beginnt.

Je höher die Besoldungsgruppe, um so lockerer sind die Bindungen an eine feste Arbeitszeit. Das ergibt sich ganz einfach aus der Natur der Sache. Wissenschaftliche Arbeit – und darum handelt es sich doch meist bei der Begründung eines Urteils für einen Verfassungsrichter – läßt, sich nun einmal nicht in den starren Rahmen eines normalen "Behörden-Alltags" pressen.

Lange vor Dienstbeginn