Ein anderes Beispiel, wie wir umlernen müssen, ist die Abfülltechnik in den Brauereien. Ich habe mir die beiden verschiedenen Einrichtungen – gleichsam zwei unterschiedliche Systeme der Produktionstechnik – in einer der größten Brauereien der Bundesrepublik, der Holsten-Brauerei in Hamburg, angesehen. Dort wird noch auf zweierlei Weise auf Flaschen abgezogen. In einer großen Halle sitzen etwa 20 bis 30 Menschen, die an einem laufenden Förderband die Flaschen mit Bügelverschluß schließen. Dort herrscht ein emsiges Treiben, die Männer und Frauen sind von dem Förderband abhängig. In der nächsten, der neuen Halle, ist Personal weitgehend überflüssig. Dort verschließen Automaten – nicht mit einem Bügel-, sondern mit einem Kronen Verschluß – 12 000, 18 000 oder neuerdings auch 22 000 Bierflaschen in jeder Stunde automatisch. Ein Förderband von Füll- und Etikettiermaschinen erspart bei der modernen Anlage zwei Drittel an Arbeitskräften.

Eine interessante neue Möglichkeit, elektrische Geräte und Funkgeräte automatisch zu montieren, ist der sogenannte gedruckte Stromkreis. Jeder, der einmal unter das Chassis seines Radio- oder Fernsehgerätes gesehen oder einen Blick hinter eine Schalttafel geworfen hat, wird ein leichtes Unbehagen empfunden haben ob des schier unübersehbaren Gewirrs von Drähten. Diese Stromleiter mußten bisher mit der Hand eingezogen, verlegt, zurechtgeschnitten und gelötet werden. In langen Reihen saßen vor allem weibliche geschulte Kräfte in den Fabriken, um nach dem vorgezeichneten Verdrahtungsplan die Schaltungen zu montieren. Bei den gedruckten Schaltungen entfällt diese Arbeit völlig. Ihre Grundidee ist einfach. Sie wurde zuerst in England verwirklicht. Als man nämlich während des letzten Krieges darüber nachdachte, wie man Arbeitszeit und Material bei den Bombenzündern einsparen könnte, schlug ein aus Wien stammender Elektroingenieur, Paul Eisler, vor, die Stromkreise einfach in Form von dünnen Metallfolien auf ein Isoliermaterial, etwa Pappe oder Kunststoff, zu drucken. Man kann auch durch Behandlung mit Säuren das überflüssige Metall einfach wegätzen, so daß nur die gewünschten Stromkreise übrigbleiben. Diese Erfindung erspart dabei fast die gesamte Handarbeit und Material; Fehler sind weitgehend ausgeschaltet. Auch sind diese gedruckten Schaltungen gegen Erschütterungen nicht anfällig. Die Einsparung an Arbeitskräften ist ungeheuer. Ein Montageband für Radioempfänger mit einer Tagesproduktion von 1000 Stück, an dem früher 200 Arbeiter saßen, wird heute von nur zwei Technikern bedient.

Der Naturwissenschaftler Richard L. Meier von der Universität Chikago hat in einer Untersuchung über die Möglichkeiten der Automation in den Vereinigten Staaten folgende Produktionszweige als reif für die Vollautomatisierung bezeichnet: Bäckereien, Brauereien, Süß Warenfabrikation, Wollwarenfabriken, Kartonagefabriken, Druckereien, chemische Fabriken, Raffinerien, Glasfabriken, Zementwerke, Maschinenfabriken (auch für landwirtschaftliches Gerät), das Nachrichtenwesen und die Einheitspreisgeschäfte. In derartigen Betrieben arbeiten dort gegenwärtig etwa 8 v. H. aller Beschäftigten. Diese Zahl ist schon ein erster wichtiger Hinweis auf die sozialen Folgen einer Automatisierung. Dagegen – so meint Meier – werden das Transportwesen, die Forstwirtschaft, die Bekleidungsindustrie und der Schiffbau auch weiterhin sehr stark auf Fach- und Hilfsarbeiter angewiesen sein. Vor allem werden die Reparaturarbeiten in allen Branchen immer den ausgebildeten Facharbeitern und Handwerkern vorbehalten bleiben. Reparaturen kann man nicht automatisieren.

(Wird fortgesetzt)