Die Konjunktur ist nicht einheitlich. Selbst innerhalb einer Branche gibt es unter Umständen mehrere Konjunkturlinien. Auf diesen Umstand hat auf der Hauptversammlung seiner Gesellschaft der Vorstandsvorsitzende der Felten & Guilleaume Carlswerk AG, Köln-Mülheim, Dr. Joseph Horatz, hingewiesen. Die Konjunktur für die von F & G erzeugten Produkte weicht zum Teil recht auffällig von der Gesamtentwicklung der Elektroindustrie ab; Während in dieser Industriebranche die stärkste Umsatzzunahme bei den Konsumgütern lag, blieben im vergangenen Jahr die Zunahmen in der Investitionsgütergruppe erheblich geringer, teilweise waren sogar Rückgänge zu verzeichnen. Dr. Horatz nannte das Jahr 1957 für die Kabelindustrie ein Jahr der Stagnation. Erfreulich war, daß Dr. Horatz über diesen Tatbestand nicht in Klagen und Kritisieren ausbrach, sondern dies als eine für die Gesellschaft reale Gegebenheit bezeichnete, mit der man fertig werden müsse,

Auf dem Schwachstromgebiet ist F & G bemüht, alle Chancen zu wahren, die das Kabel auch heute noch gegenüber dem Funk hat. Der Mangel an Investitionsmitteln bei der Bundespost hat dazu geführt, daß der echte Bedarf an Fernmeldekabeln vermutlich höher ist, als er sich in den Bestellzahlen ausdrückt. Daran dürfte sich in Zukunft grundsätzlich kaum etwas ändern, wohl sind Verlagerungen innerhalb der einzelnen Sorten denkbar.

Für Starkstromkabel ist nach wie vor ein großer Bedarf festzustellen, den die Elektrizitätsversorgungsunternehmen allerdings ebenfalls aus Investitionsschwierigkeiten bisher nicht voll gedeckt haben. F & G hofft auf die Auflockerung des Kapitalmarktes, wobei jedoch in diesem speziellen Fall noch zu erwähnen bleibt, daß die Zurückhaltung der Abnehmer nicht nur aus Finanzierungsgründen stammt, sondern zum Teil auch von dem nach wie vor politisch gebundenen Strompreis herrührt. Im übrigen verlagert sich die Nachfrage immer mehr auf Kunststoffkabel. F & G baut dementsprechend ihre Produktionsanlagen aus.

Der Export war bei der Gesellschaft in 1957 zwar nur geringfügig niedrigem als im Vorjahr, jedoch zeichnen sich schwerwiegende Verschiebungen innerhalb des Exportgeschäftes ab. Die Exportzange, in die F & G geraten ist, wird auf der einen Seite durch einen rückläufigen Europaexport und auf der anderen Seite durch eine steigende Konkurrenz auf den außereuropäischen Märkten bestimmt. Das Absinken des Europaexports auf 32,8 v. H. am Gesamtexport bestätigt nach Ansicht von Dr. Horatz die Besorgnis, daß die in Europa allenthalben neu aufgebauten Kapazitäten bei auch nur geringfügigem Absinken der Konjunktur zu einer Bedarfssättigung genügen und Exporte von Westdeutschland in diese Länder unmöglich machen. F & G hat daher seine Aquisition verstärkt auf das Überseegeschäft umgestellt, was aber schwieriger und kostenreicher ist. Außerdem liegen die Weltmarktpreise infolge der starken Konkurrenz ständig unter Druck, In den Entwicklungsländern sind die Absatzmöglichkeiten wegen der dort herrschenden Devisenknappheit nicht so groß, wie es notwendig wäre, um auf die Dauer einen Ausgleich zu finden.

Auf dem Gebiet der Produktion und des Verkaufs von Seekabeln sind der Gesellschaft erste Erfolge verstärkter Bemühungen zuteil geworden. Außer den im Geschäftsbericht bereits erwähnten Aufträgen für die Seekabel USA-Frankreich und Kopenhagen-Köslin hat die Gesellschaft jetzt auch den Auftrag für ein Kabel von West Palm Beach nach Puerto Rico erhalten.

Die Hauptversammlung der Gesellschaft beschloß, eine Dividende von 9 v. H. auf das dividendenberechtigte Kapital auszuschütten. M. D.