hst, Nürburgring

Vor mir fährt ein VW-Kombi und hinter mir ein schwerer Amerikaner. Seit einer halben Stunde ist das so. Vor dem Kombi taucht ab und zu ein alter Dixi mit jungen Leuten auf. Sie tragen Strohhüte. Mehr kann ich nicht sehen – weder das Ahrtal noch die Weinberge, noch die vielen im Reiseführer verzeichneten „Sehenswürdigkeiten“.

Allenfalls bekomme ich noch etwas von den Reklameschildern mit, die jetzt in Manneshöhe an den Bäumen hängen. Lesen kann ich sie zwar auch nicht. Die Verkehrszeichen und Wegweiser brauche ich ohnehin nicht zu lesen. Ich braiche nur dem Kombi und all den anderen Wagen nachzufahren: Man fährt zum Nürburgring. Morgen ist Autorennen.

Heute kommen die, die sich einen guten Platz sichern wollen: am Schwalbenschwanz oder am Karussell, am Wippermann oder der Quiddelbacher Höhe. Das Terrain ist schon abgesperrt. Sie zahlen ihren Eintritt und fahren über schlechte Feld-, Wiesen- und Waldwege zu ihrem Platz. Dort schlagen sie unverzüglich ihr Zelt auf. Der Zelteingang muß möglichst Ausblick auf die Rennbahn haben. „Falls es morgen regnet...“ erklärt ein junger Mann in Nietenhosen seiner Begleiterin. Wer sein Zelt aufgebaut hat, braust mit ziel Getöse Richtung Start und Ziel ab.

Dort, wo sonst die Herren der Rennleitung stehen, warten jetzt die Männer mit den Schaffnertaschen und den Billetts. Das Training der Großen ist vorbei. Jetzt kommen die Kleinen, die Amateure, in der Hoffnung, auch mal ganz groß zu werden.

Die Runde – das sind rund 28 Kilometer – kostet zwei Mark pro Wagen und eine Mark pro Motorrad. Sie lösen das Billett, schauen auf die Uhr und jagen los, was die Kiste hergibt: Elegante Sportwagen und Mopeds, schwere 600er Solo-Maschinen und Kabinenroller, seriöse Limousinen und handgebastelte Cabrios – und da startete auch der alte Dixi, mein zweiter Vordermann von eben, zur Nürburgrunde. Aber die vier mit den hellen Strohhüten sind anscheinend die einzigen, die das Kuriose der Situation begriffen haben: Laut singend knattern sie mit „fünfzig Sachen“ die Rennstrecke entlang, während die anderen mit verbissenen Rennfahrer-Gesichtern hinter dem Steuer kleben oder mit dem Bauch auf dem Tank liegen.

Fünf Jungen sind derweil mit dem letzten Rundendurchschnitt ihrer Mopeds nicht zufrieden. Sie fahren zur Seite und montieren die Schalldämpfer ab. Dann zahlen sie abermals ihre Mark, schieben fachgerecht bis zur Startlinie, vor. Einer schaut auf die Uhr. Er gibt das Zeichen. Fünf Knatterkisten ziehen mit einem Höllenlärm los.