Wie die Deutsche Telephonwerke und Kabelindustrie AG (DeTeWe), Berlin, überraschend mitteilt, hat sie das seit 1924 neben dem Fernsprechgerätebau betriebene Geschäft mit Rechenmaschinen (Marke „Hamann“) mit Ablauf des Juli aufgegeben. Fertigung und Vertrieb sind mit allen Schutzrechten und dem Warenzeichen „Hamann“ auf die neugegründete HAMANN Rechenmaschinen GmbH, Berlin, übergegangen, an der die DeTeWe nicht beteiligt ist. Gesellschafter der neuen Firma sind Ing. Walter Kassebohm, Berkeley (USA), und Rechtsanwalt Ernst Gedemann, Hamburg. Sie bilden zusammen mit Ing. William K. Schmid, Oakland (USA), die Geschäftsführung. Um den Vertrieb ihrer Erzeugnisse auf eine möglichst breite Basis zu stellen und die technische Entwicklung zu fördern, ist die Zusammenarbeit mit einem bisher nicht genannten Konzern der amerikanischen Büromaschinenindustrie vorgesehen.

DeTeWe hatte die Rechenmaschinenfertigung seinerzeit übernommen, um ein Gegengewicht zu den Schwankungen im Fernsprechgeschäft zu haben. Diese „Doppelgleisigkeit“ hatte sich bis vor wenigen Jahren als nützlich erwiesen, da das private Fernsprechanlagengeschäft zwar zufriedenstellend verlief, das Schwergewicht aber bei den Aufträgen der Bundespost lag, die aus fiskalischen Gründen nicht immer in der erwarteten Höhe und Regelmäßigkeit eingingen. Diese Tatsache hatte sich bei DeTeWe vor allem im Geschäftsjahr 1955/56 störend bemerkbar gemacht. Bei ihren Bemühungen um einen Ausgleich hat die Gesellschaft in den letzten Jahren in steigendem Maße Erfolge in der Steuerungstechnik erzielt, die zu einem wesentlichen Teil auf den gleichen Bauelementen wie die Fernsprechgerätetechnik beruht.

Da sich seit einigen Jahren die Aktienmajorität von DeTeWe bei der Deutschen Bank AG befindet, liegt die Vermutung nahe, daß die Aufgaben der Rechenmaschinenfertigung in einer Zeit zunehmend verschärften internationalen Wettbewerbs auf dem Gebiet der Büromaschinen Bestandteil einer zielbewußten Geschäftspolitik ist, die dem Zug zur Konzentration folgt. Ähnliche Gesichtspunkte gelten offenbar auch für die Geschäftsführung der neuen Gesellschaft. Daß in diesem Zusammenhang amerikanisches Kapital nach Deutschland und insbesondere nach Berlin geht – in letzter Zeit u. a. zu der R. Stock & Co., Spiralbohrer-, Werkzeug- und Maschinenfabrik AG und zu der Auergesellschaft AG –, wird zwar mancherorts als bedauerliches Zeichen der Überfremdung angesehen, kann aber auch als ein Vertrauensbeweis für Berlin gelten. G. G.