In Bregenz und Salzburg Festspielbeirieb mit kleinen Fehlern

Von Walter Abenclrotli

Vor noch nicht allzu langer Zeit, als die Inflation des Festspielgedankens eben erst eingesetzt hatte, war es noch leicht, zu unterscheiden zwischen Festspielen idealistischen Ursprungs und solchen rein merkantilen Charakters, entsprungen aus dem Kalkulationsbüro des jeweiligen Fremdenverkehrsvereins. Inzwischen ist diese Unterscheidung nicht nur schwieriger geworden

sie ist als Grundlage eines wertenden Vergleichs vielleicht überhaupt nicht mehr aufrechtzuerhalten. Denn nur mit Mühe können die Festspielunternehmungen aus ihrer edleren Herkunft noch einen gültigen Vorrang, einen höheren künstlerischen Adel ableiten.

Auch sie haben sich bemüßigt gesehen, ihre geistige Integrität weitgehend zu durchlöchern zugunsten einer Anpassung an die Erfordernisse des modernen Massen-Gesellschaftsreise-Kulturbetriebs, der seine eigenen Bedingungen hat, denen sich zu fügen nachgerade einfach ein Gebot der Existenz für jedes „Festspiel“ wurde.

Attraktion Seebühne

In dreizehn Spieljahren haben sich die Bregenzer Festspiele nicht nur in der weltweiten Konkurrenz behauptet, sondern auch an materieller wie künstlerischer Konsistenz bedeutend zugenommen. War jahrelang die gastronomisch garantierte Subvention entscheidend für die Lebensfähigkeit, so tragen sich die Spiele derzeit zu 90 v. H. selbst. Das Geheimnis dieses Erfolgs liegt sowohl in der günstigen Lage als auch in dem aparten Reiz der Seebühne, die große Besucherscharen aus den angrenzenden Ländern (besonders Baden-Württemberg, Bayern und der Schweiz) anlockt. Ob freilich der neuere, gehobene Anspruch, mit einer alljährlichen Uraufführung des Wiener Burgtheaters der dramatisch-dichterischen Aussage unserer Zeit zu-dienen, auf die Dauer dem Festspielreisepublikum munden wird, bleibt abzuwarten.