Die Geschichte eines Romans, wie sie sich in den Briefen des Verlegers an den Autor spiegelt

Der hier abgedruckte Briefwechsel stellt Auszüge dar aus einer auf bisher (teilweise) unbekannten Dokumenten fußenden Studie, die Paul Scheerer im nächsten Heft der Neuen Rundschau unter dem Titel „Bruchstücke der Buddenbrooks – Urhandschrift und Zeugnisse zu ihrer Entstehung“ veröffentlichen wird. Unsere Auswahl sowie die Illustration aus dem Simplicissimus drucken wir mit freundlicher Genehmigung des S. Fischer Verlages.

S. Fischer an Thomas Mann

29. Mai 1897

Sehr geehrter Herr Mann! Ihren Novellenband will ich gern verlegen. Die Sachen haben mir sehr gut gefallen, ich möchte sie mit einem illustrierten Umschlag in meiner „Collection Fischer“ bringen... Sehr gern nehme ich Ihr Anerbieten an, die Umschlagzeichnung durch den Ihnen bekannten Münchener Maler kostenlos zu erhalten.

Für das Verlagsrecht Ihrer Novellen biete ich Ihnen 150 Mark an, wobei ich mir vorbehalte, die, wie ich annehme, noch nicht veröffentlichte Novelle „Der Bajazzo“ in der „Rundschau“ zu veröffentlichen. Ich kann Ihnen für die „Collection“, die ich zu einem sehr billigen Preis vertreibe, ein gutes Honorar nicht anbieten; ich würde mich aber freuen, wenn Sie mir Gelegenheit geben würden, ein größeres Prosawerk von Ihnen zu veröffentlichen, vielleicht einen Roman, wenn er auch nicht so lang ist. Für Publikationen dieser Art kann ich ungleich bessere Honorare bezahlen und vielleicht auch durch vorherigen Abdruck die Arbeit besonders gut verwerten. Ich will für Ihre Production gern wirken, natürlich unter der Voraussetzung, daß Sie mir alle Produkte zum Verlag übergeben.

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