o. f., Hamburg

Sie wolln neue Sitten hier einführen, was?“ So hatte der Polizist jenen Taxifahrer angeherrscht, der mich vor einiger Zeit chauffierte und dabei ertappt worden war, gegen die „Verordnung zur Ergänzung der Vorschriften über den Verkehr mit Kraftdroschken“, § 4, verstoßen zu haben. Dort nämlich wird verlangt, unter Androhung von Geld oder Haftstrafe; „Die Kraftdroschkenfahrer haben während des Dienstes eine einheitliche dunkle Schirmmütze ... zu tragen“. Dieser unschönen Beschneidung der persönlichen Freiheit und meinem Mitgefühl ist es zuzuschreiben, daß die Hamburger Taxifahrer sich seitdem meiner besonderen Sympathie erfreuen, weil ich doch nun mal sehr für individuell bin.

Aber man darf bei aller berechtigten Wahrung der persönlichen Note doch nicht aus der Rolle fallen, darf nicht neue Sitten einführen wollen, soweit sie den allgemeinen Umgangston betreffen. So stimmte mich bei aller zugegebenen Sympathie für Taxifahrer doch recht bedenklich, was ich jüngst miterleben mußte, als ich mich wieder einmal spät nachts fahren ließ.

Aus einer dunkleren Nebenstraße kam ein Auto herangerollt, ohne Beleuchtung (so ein... dachte ich), und ich fand es recht von „meinem“ Chauffeur, daß er dem anderen quer vorfuhr, ihn stoppte. Gib ihm, dachte ich und lehnte mich behaglich zurück, indem bei beiden Wagen ein Fenster heruntergekurbelt wurde. Wie erstaunt war ich jedoch, als „mein“ Fahrer, sogar noch in liebenswürdigstem Ton, nur hinüberfragte: „Entschuldigung; kennen Sie die Gegend hier?“ Erschrecken meinerseits über den offenbar ortsunkundigen Taxenmann– vom anderen Wagen scholl nur ein ebenso verwunderndes wie zögerndes „Ja“ herüber. „Na, dann ist gut“, sagte der meine, das Fenster schon wieder schließend und Gas gebend, „dann können Sie auch ohne Licht weiterfahren.“

Und dies ist mein Kummer: Beide haben sie eigentlich versagt als deutsche Autofahrer, denn von beiden habe ich nicht gehört, was ich in solcher Situation erwartete: den schönen, prägnanten, zeitsparend knappen deutschen Autofahrergruß „Idiot“, So bin ich denn nun recht enttäuscht, zumindest von jenem Taxifahrer, und so mancher wird es mit mir sein. Denn seien wir einmal ganz ehrlich: Wir alle wollen uns die schöne alte, so ökonomische und alles sagende Grußsitte doch nicht nehmen lassen!