Am 21. Juli haben polnische Miliz und Geheimpolizei das Kloster Jasna Gora in Tschenstochau umstellt und dort eine stundenlange Haussuchung durchgeführt – ungeachtet des 1956 zwischen Kirche und Regierung geschlossenen Burgfriedens. Die Bevölkerung war entsetzt.

Der Bischof von Tschenstochau, Zdzislaw Golinski, schrieb in einem empörten Brief an die Regierung, in der 600jährigen Geschichte Jasna Goras sei eine solche Entweihung des polnischen Nationalheiligtums ohne Vorbild. „Angehörige der Miliz und des Geheimdienstes“, schrieb der Bischof, „haben das Gebäude einer vom Kardinal persönlich ins Leben gerufenen kirchlichen Institution durchsucht und dort die Bücher, Dokumentenarchive und Tonbandaufnahmen beschlagnahmt.“ Am Sonntag nach dem Vorfall erschien der polnische Primas, Kardinal Wyszynski, selbst in Tschenstochau und zelebrierte dort eine Messe, in der er gegen die Übergriffe der Regierung protestierte und zu der 24 000 Gläubige kamen.

Die Partei hatte sich 1956 genötigt gesehen, mit der Kirche einen Pakt zu schließen, weil sie ohne oder gar gegen die Kirche Ruhe und Ordnung im Lande nicht hätte wiederherstellen können. Wyszinski entschloß sich in jenen Tagen nur deshalb dazu, weil die Nation angesichts der ungarischen Tragödie in großer Gefahr schwebte.

Seit damals aber haben sich unzählige Zwischenfälle ereignet. Katholische Eltern wurden beschuldigt, atheistische Lehrer mißhandelt zu haben; Priester weigerten sich, Kommunisten zu beerdigen ... Jetzt liegt der Regierung offenbar daran, die Kirche von neuem unter Druck zu setzen.

Das polnische Parteiorgan Trybuna Ludu schrieb unlängst: „Es ist nicht wahr, daß die polnische Jugend, wie die Kirche behauptet, einer moralischen Erneuerung bedarf. Die Kirche will nur mit aller Gewalt einen Einfluß auf die Jugend gewinnen und sie der gesunden sozialistischen Idee abspenstig machen.“ Es war unvermeidlich, daß zwei Institutionen, die beide einen Ausschließlichkeitsanspruch erheben, über kurz oder lang wieder aufeinanderprallen mußten, und es leuchtet auch ein, daß es dabei vor allem um die Jugend geht.

Nun bemüht sich die Kirche, die Wogen wieder zu glatten. In einer seiner letzten Ausgaben veröffentlichte das katholische Blatt Tygodnik Powszechny einen Hirtenbrief des Breslauer Bischofs Boleslaw Kominek, in dem dieser die Priesterschaft und alle Gläubigen ermahnte, sich zu keinen Handlungen hinreißen zu lassen, die die Kirche kompromittieren könnten. Seit letzter Woche versuchen Vertreter der Regierung und der Kirche in Warschau, den Zwischenfall von Tschenstochau auf dem Verhandlungswege beizulegen. Jan Kurzok