Stolz wie die Spanier! Man tut den iberischen Granden leicht unrecht. Ihr Stolz hatte Größe – auch dann noch, als Spanien längst zum kleinen Land am Rande Europas geworden war. Heutzutage scheint sich der Stolz der kleinen Länder, die genötigt sind, von den großen zu leben, darin zu äußern, daß sie ihren Protektoren ärgerliche Nadelstiche oder gar empfindliche Dolchstöße versetzen – wahrscheinlich, um auf diese-Weise ihre Unabhängigkeit zu beweisen.

Nadelstiche: Seit Jahren vermag König Hussein von Jordanien nur an den Krücken der anglo-amerikanischen Subsidien (jährlich rund 150 Millionen Mark) aufrecht zu gehen. In eben diesem Augenblick ruht sein schwankender Thron ausschließlich auf den Bajonetten der britischen Fallschirmjäger. Aber am Montag ließ der König dem Vertreter der Algerischen Befreiungsfront in Amman einen Dollarscheck „für den Kampf gegen den französischen Imperialismus“ überreichen. Runde 200 000 Mark stiftete er. So finanziert ein Widersacher Nassers mit dem Geld eines anderen Widersachers Nassers die Lieblinge des ägyptischen Diktators.

Dolchstöße: das zehn Jahre alte Israel – Ziehkind und Schutzobjekt der Westmächte – hat am Wochenende seinen englischen und amerikanischen Schutzengeln das Überfliegen israelischen Hoheitsgebietes in Richtung Jordanien verboten. Die Luftbrücke nach Amman mußte danach abgebrochen werden, und der Nachschub für die englischen Truppen in Jordanien wird nun außerordentlich erschwert, wenn nicht ganz in Frage gestellt. Israel fällt also seinen Erb freunden in den Rücken, die jenseits des Jordans ein Bollwerk gegen Israels Erbfeind Gamal Abdel Nasser aufrichten wollen... ts.