Die Festspiel-Saison ist angebrochen, und wo nicht zufälliger- und betrüblicherweise Beirut mit Bayreuth verwechselt wird, haben die Kulturorganisatoren durch die Krisen der Zeitgeschichte keine materiellen Einbußen zu beklagen. Ihre Kunst läßt gut bezahlte Kunst gedeihen, und alles wäre auf dem Sektor „Kulturelles“ in schönster Ordnung, wenn nicht gestrenge Kritiker (auch in dieser Zeitung) darauf hinweisen müßten, daß der materielle Ertrag kein zuverlässiger Gradmesser für das Gedeihen der Kunst sein kann.

Auch die Kunst muß freilich leben, und – da wir gerade bei Gemeinplätzen sind – das Leben ist teuer. Gaius Maecenas starb, noch ehe Christus geboren wurde; und im Jahre 1958 nach Christi Geburt (oder 1966 nach Maecenas’ Tod) sind auch seine Erben, die Mäzene, ausgestorben. „Dann muß der Staat eben Mäzen sein...“

Vorsichtig! Drei Hürden sollte derjenige wenigstens bewußt nehmen, der eine (mehr oder minder weitgehende) Finanzierung der Kunst durch den Staat fordert; drei Fragen sollte er wenigstens sich selber vorlegen:

1. Würde er eine Erhöhung der Steuer, die notwendig wäre, um dem Staat eine einigermaßen befriedigend gespielte Mäzenatenrolle zu ermöglichen, bereitwillig hinnehmen?

2. Würde er den Einfluß gutheißen, den der Staat damit ganz ohne Zweifel auf die Kunst ausüben müßte, wie ihn bisher noch jeder Mäzen ausgeübt hat, ob er will oder nicht?

3. Welches Gefühl hat er bei dem Gedanken, daß für die staatlich subventionierte Kunst schließlich eine Verwaltungsbürokratie von Kunstbeamten „zuständig“ wird?

Nicht nur Banausen stehen deswegen der um jeden Preis staatlich subventionierten „Kultur“ skeptisch gegenüber. Nur Banausen freilich vertreten die andere Ansicht, daß eine Kunst, die sich nicht in klingende Münze umsetzen läßt, keine Daseinsberechtigung hat.

Sollte man einmal ernsthaft die Wahrheit in der Mitte suchen (was sonst immer nur im Sprichwort geschieht) und vielleicht einen Anfang damit machen, nicht alles, was Geld einbringt, für Mist (oder große Kunst) zu halten und nicht alles, was niemand haben, sehen, hören will, für große Kunst (oder Mist)? Leo