Auch in einer anderen, lebenswichtigen Frage der jungen Hochschule vertraten die Redakteure der Studentenzeitung und der Senat verschiedene Auffassungen: nämlich in der komplizierten Frage des künftigen Standorts der Hochschule, die – darin waren sich Professoren und Studenten einig – nicht in der Rüstersieler Abgeschiedenheit bleiben kann; das graue Barackenlager hinter dem Deich weit außerhalb der Stadt Wilhelmshaven war von vornherein als ein Provisorium gedacht. Während 1955 die Studentenschaft noch selber für eine Verlegung nach Oldenburg plädierte, hat sie sich in den letzten Jahren immer stärker dafür eingesetzt, die Hochschule in Wilhelmshaven zu lassen. Der Senat hat sich für eine Verlegung ausgesprochen.

Jede Seite hat ihre Argumente: die Nähe der aufstrebenden Industrie spricht für Wilhelmshaven, die der höheren Gerichte und der reichhaltigeren Bibliothek für Oldenburg, welches als ehemalige Residenzstadt auch größeres Prestige – genießt als das aus dem Boden gestampfte „Schlicktown“ der Marine im Norden.

„Tradition“, das klingt den Studenten jedoch wie „Verkalktheit“.

Im Falle einer Verlegung – das ist das geometrische Argument des Senats –, wäre die Hochschule an zentralerer Stelle im Weser-Ems-Raum, dessen wissenschaftlichen Mittelpunkt sie bilden soll.

Darüber hinaus spielen freilich noch andere Kalkulationen eine Rolle: Die Stadt Oldenburg, nicht gleich Wilhelmshaven durch große Industrieprojekte wie den Bau eines Ölhafens engagiert, könnte der Hochschule mehr Geld zum Neubau zur Verfügung stellen als ihre bisherige Heimatstadt. Schließlich sprach der Rektor von einem „Kuhhandel“: beide Städte sollen sich in die Hochschulen teilen, Wilhelmshaven soll die Ingenieur-Hochschule, Oldenburg die Hochschule für Sozialwissenschaften haben.

Der Senat hat für den Fall, daß sich das Oldenburger Projekt zerschlagen sollte, die Angliederung der Hochschule an die TH Braunschweig oder die Landesuniversität in Göttingen erwogen; denn es wurde in Rüstersiel, wo man auf einen sehr bescheidenen Landesetat angewiesen ist, als besonders schmerzlich empfunden, daß der Hochschule (als einer zu engen Fachschule) die Aufnahme in die Westdeutsche Rektorenkonferenz und damit die Mittel der Deutschen Forschungsgemeinschaft versagt blieben. Ein „Anschluß“ könnte diese Misere beheben.

Zwei Dinge sind es, in denen sich die Wilhelmshavener von anderen deutschen Hochschulen unterscheiden, zwei Dinge, in denen ihre Hochschule ein – im Hinblick auf die nun schon seit Jahren „kommende“ Hochschulreform – bedeutungsvolles Experiment darstellt: