In Bonn haben wieder „Kohlegespräche“ stattgefunden. Der Bundeskanzler hat den sorgenvollen Vertretern des Steinkohlenbergbaues – die wiederum auf Anregung des Vorsitzenden der Industriegewerkschaft Bergbau, Gutermuth, nach Bonn gereist waren – erneut versichert, daß er „die heimische Kohle heute und in der Zukunft als den für die deutsche Wirtschaft wesentlichen Grundstoff“ anerkenne. Der Bergbau dürfe nicht durch die Zufälligkeiten konjunktureller Schwankungen in seiner Existenz gefährdet werden, hieß es in dem Kommuniqué, das nach Abschluß der Besprechungen veröffentlicht wurde.

Die Umsetzung dieser goldenen Worte in die Wirklichkeit dürfte nun allerdings einige Schwierigkeiten bereiten; damit wird man auch keine kurzfristige Entlastung auf dem Kohlenmarkt herbeiführen. Immerhin ist es aber ein Fortschritt, daß bereits einen Tag nach dem Kanzlergespräch – wenn auch ohne unmittelbaren zeitlichen Zusammenhang damit – eine Unterredung zwischen dem Bergbau und der Mineralölwirtschaft stattgefunden hat. Das Ergebnis waren übereinstimmende Auffassungen dahingehend, „daß durch Einschränkung beim Vertrieb von Heizöl und durch wirtschaftliche Vernunft in der Verkaufspolitik, ferner durch Zurückhaltung beim Import von Kohle dazu beigetragen werden soll, die derzeitige schwierige Lage im Bergbau zu erleichtern“. Über die technische Durchführung soll auch hierbei erst noch gesprochen werden ...

Inwieweit es über diese Bekundungen des guten Willens hinaus zu konkreten und brauchbaren Vereinbarungen kommt, muß noch abgewartet werden. Immerhin ist es beachtlich, daß sich zwei scharfe Konkurrenten eines Wirtschaftsbereichs zur Abstimmung ihrer Programme bereitgefunden haben. Vielleicht ist diese jetzt angestrebte freiwillige Koordinierung der Energiewirtschaftspolitik ein gangbarer Weg.

Für den Bergbau ist die Zeit des Verhandelns inzwischen kostbar geworden. Bei den Zechen liegen jetzt fast 10 Mill. t Kohle auf den Halden. Der Tag, an dem die Förderung nicht mehr auf Halde genommen werden kann, ist nicht mehr so sehr fern. Auch beim Kohlenhandel liegen 11 Mill. t Kohle. Sogar die zechenverbundenen Hüttenwerke lassen ihre Werkselbstverbrauchskohlen zum Teil schon bei den Zechen liegen. Bisher konnten die Feierschichten in Grenzen gehalten werden. Wenn die Unternehmensleitungen im Bergbau nicht den kostspieligen Weg der Vorratsförderung gegangen wären, hätte die gesamte Arbeitnehmerschaft dieses Wirtschaftszweiges an 22 Tagen Feierschichten einlegen müssen. Und was wird, wenn die Lagermöglichkeiten endgültig erschöpft sein werden? Die Angaben, wann das der Fall sein kann, schwanken zwischen 10 und 14 Mill. t unverkaufter Kohlen.

Die Situation im Bergbau drängt also zu einer Entscheidung. Trotz der zahlreichen Gespräche in den letzten Monaten zeichnet sich eine gangbare Sofortlösung, auf die allein es im Augenblick ankommt, bisher nicht ab. Bei Gesprächen „auf höchster Ebene“ besteht leider immer die Gefahr, daß sie Deklamationen bleiben. Das ist am Beispiel Kohle – sowohl in guten wie jetzt in schlechten Zeiten – schon oft demonstriert worden. I. N.