Von Ben Witter

Ein Gummistiefel trieb auf der Elbe. „Es dauert nicht mehr lange, dann segelt er schneller“, sagte der Angler neben mir. „Das Wasser steigt.“

„Dann müssen Sie aber Ihre Angelrute aus dem Wasser ziehen“, sagte ich.

Der Angler schüttelte den Kopf. „Ich habe sie so schön im Griff und möchte sie nur so festhalten. Es beißt jetzt sowieso kein Fisch an!“

Ich schwieg, und der Angler schob mit der linsondern eine von vielen. Aber anstatt den Kampf im die Führung in der Bauentwicklung aufzunehmen und so die Dinge wieder gehörig zurechtzurücken, wird ein resigniertes Experimentieren an der Peripherie betrieben.

Die vor 30 Jahren gelegten neuen Keime, die zur Einfachheit und Würde hätten führen können, haben vielfach lediglich ein Austoben barockhafter Originalität hervorgebracht. Wie anders käme es zu jenen Gebilden, die einer Programmüberlastung zu folgen versuchen, in einem Konglomerat von Räumen Sonntags-, Werktags- und Pilgerkirchen zusammenpferchen: „Kombi“-Kirchen, die alle Zwecke etwas, aber keinen Zweck ganz berücksichtigen.

Natürlich ist ein jugendbewegter Anspruch an die Nähe Gottes, auf einen guten Platz, nicht Frömmigkeit, sondern Unverschämtheit, und es gibt heute in der Tat so manche Kirche, deren Gemeinderaum als hybrid nachzuweisen, ein Leichtes wäre. Sie sind nicht so gemeint, aber sie sind so geworden, weil Größe mit Originalität – und weil Gebet mit Geschrei verwechselt werden.