III. Menschen-Maschinen und Maschinen-Menschen – Chemische Gedächtnisse / Von L. Nitschmann

Mit diesem dritten und letzten Artikel schließt unser naturwissenschaftlicher Mitarbeiter seinen durch viele Beispiele untermauerten Bericht über Möglichkeiten und Folgen der Automation ab.

Während es in den Fabriken um den Umgang mit Rohstoffen, Werkstücken und Fertigprodukten geht, handelt es sich in der Verwaltung im wesentlichen um Zahlen, Statistiken, Adressen, Mitteilungen oder Berechnungen. Hier – so meinen die Fachleute – wird die Automation am schnellsten einziehen. Offenbar sind die Probleme in der Produktion und in der Verwaltung annähernd die gleichen. Was bisher individuell von einzelnen Menschen erledigt wurde, soll nun einfach nach einem Standardsystem von Automaten bewältigt werden. Man muß dabei auch hier – wie im Produktionsprozeß – die notwendigen Funktionen sehr sorgfältig analysieren und ihren Ablauf neu ordnen. Verwaltungsvorgänge lassen sich prinzipiell nur dann automatisch erledigen, wenn es sich um regelmäßig wiederkehrende Massenvorgänge handelt. Es wird niemals möglich sein, Gerichtsprozesse den Automaten zu übertragen.

Jeder dritte Berufstätige in der Bundesrepublik arbeitet am Schreibtisch. Der Umfang der Verwaltung nimmt unerhört zu. Während die Fabrikhallen menschenleer werden, füllen sich die Büros immer mehr. Nur die Automation kann das stoppen. Wie sie das Verwaltungs- und Geschäftsleben verändern wird – darauf gibt es allerdings noch keine eindeutige Antwort. Der Routinebürobetrieb kann von Automaten erledigt werden; die Voraussetzung dafür ist aber, daß er entsprechend für die Maschine „zubereitet“ wird. Man kann diese Automaten nicht einfach kaufen und an der nächsten Steckdose anschließen und ihnen die bisherigen Arbeiten übertragen. „Nicht das Gerät denkt“ – so lautet ein brillanter Satz –, „sondern es muß vorher gedacht werden, was das Gerät tun soll.“

Besondere Bedeutung für die Verwaltung haben die automatischen Kalkulatoren. Sie sind die Röntgenröhren der Wirtschaft. Diese blitzschnell arbeitenden Geräte können den Leitern der Firmen immer den neuesten Stand der Marktbeobachtung vermitteln. Man schätzt, daß es heute in der amerikanischen Privatwirtschaft etwa 400 elektronische Kalkulatoren gibt. Diese Geräte kosten zwischen 750 000 und 3,5 Millionen Dollar. Daneben finden „kleinere“ Rechengeräte – sie kosten zwischen 50 000 und 300 000 Dollar – schnelle Verbreitung. In jedem Falle müssen die Betriebe ihren Einsatz sehr sorgfältig vorausplanen und überlegen, ob sich die Anschaffung so teurer Hilfsmittel auch rentieren wird.

Ein interessantes Beispiel für Automation im Großhandel bietet eine Hosenträgerfabrik in New York. Während früher zahlreiche Arbeiter mit ihren Karren in den verschiedenen Lägern umherfuhren, um die verschiedenen Größen und Modelle aus den Regalen herauszusuchen und zur Versandabteilung zu bringen, gleiten diese Waren heute über Rutschen auf ein Fließband und werden so automatisch versandt. Die Rutschen sind von einem einzigen Mann ferngesteuert. Durch einen Knopfdruck fallen die gewünschten Mengen auf das laufende Transportband. Natürlich könnte man auch noch diesen einzigen Angestellten durch Lochkarten ersetzen

Lohntüte aus dem Automaten