Über pari liegende Rentenkurse

Können Sie mir einige Gründe nennen, die für und gegen den Umtausch von 8 und 7,5 prozentiger Industrieobligationen in solche, die jetzt zu niedrigen Zinssätzen aufgelegt werden? K. N., Bad Godesberg

Antwort: Nehmen wir an, eine achtprozentige Anleihe (ab 1962 auslosbar und kündbar) notiert gegenwärtig zu 108 v. H. Wird sie zu diesem Preis erworben, dann stellt sich die laufende Rendite auf etwa 7,4 v. H.; sie liegt also über den jetzt herauskommenden 6prozentigen Anleihen mit Ausgabekursen zwischen 98,5 und 99 v. H. (Rendite rund 6,2 v. H.).

Nun kommt das „Aber“ in der Rechnung. Sollten die jetzt erworbenen Stücke bereits 1962 ausgelost werden oder entschließt sich die Gesellschaft von dem Recht der vorzeitigen Kündigung Gebrauch zu machen, was bei der jetzigen Zinslage naheliegt, dann hat der Erwerber der Anleihe bei einem Preis von 108 v. H. in knapp 4 Jahren einen Verlust von 8 v. H. Verteilt man diese 8 v.H. auf die 4 Jahre, dann ermäßigt sich die Rendite auf knapp 5,5 v. H. (und liegt damit niedriger als die der jetzt herauskommenden Emissionen).

Fallen die Stücke allerdings unter spätere Auslosungen und wird eine Kündigung der ganzen Anleihe nicht zum ersten Termin ausgesprochen, dann ergibt sich eine vorteilhaftere Rendite.

Immerhin läßt sich nicht abstreiten, daß die über pari liegenden Kurse der Industrieanleihen einen gewissen Unsicherheitsfaktor in bezug auf die Rendite in sich bergen. Deshalb legt die Vereinsbank in Hamburg beispielsweise in einer Publikation ihrer Kundschaft nahe, bei Anleihe-Kursen ab 110 v.H. einen Verkauf der so hoch notierenden Stücke vorzunehmen und den Erlös in niedriger notierenden Anleihen anzulegen.

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