Von Walter Abendroth

So alt die christliche Kultur mit ihrem Reichtum an bildnerischen Werken ist, so alt ist auch die Streitfrage, ob aus der Sicht der Nachfolge Christi Kunst überhaupt zu legitimieren sei. Insbesondere ihre Rolle in der Kirche selber ist stets unterschiedlich beurteilt worden.

In jedem Falle blieb der Künstler hier vor die Aufgabe gestellt, das Mögliche zu leisten, um das Erlebnis der Liturgie zu ‚vertiefen, ohne die kultische Handlung, ohne gar das Wort der Heiligen Schrift von der Eigenwirkung der Kunst überwuchern zu lassen. Das Verhältnis zwischen Christentum und Kunst ist schon von dem alttestamentarischen Verbot jedes „Bildnisses und Gleichnisses“ her ein Spannungsverhältnis an sich. Wahrscheinlich hat es sich gerade deswegen durch zwei Jahrtausende als so fruchtbar gezeigt.

Sofern die Kirche sich genötigt sieht, jede Epoche in der ihr verständlichen Sprache anzusprechen, kann sie auch an dem bildnerischen Stil der Zeit nicht vorübergehen. Wieweit dieser jeweils sanktioniert zu werden vermag, das entscheidet sich nicht grundsätzlich, nicht a priori. Es kommt darauf an, welcher Geist sich von Fall zu Fall des Zeitstils bedient.

Die vielfachen Kriegszerstörungen an Kirchenbauten und kirchlichen Kunstwerken und die Notwendigkeit des Wiederaufbaues haben das Thema „Kirche und Kunst“ in ungewöhnlichem Maße aktualisiert. Der Gedanke, in Salzburg eine Biennale Christlicher Kunst der Gegenwart einzurichten, entspricht also einer „Forderung des Tages“.

Den Auftakt zur ersten Salzburger Biennale bildete die Einweihung der drei neuen Bronzetüren des Domes durch Erzbischof Andreas Rohracker. Obwohl von drei Künstlern verschiedener Nationalität geschaffen – Toni Schneider-Manzell („Glaube“), Giacomo Manzù („Liebe“), Ewald Mataré („Hoffnung“) – stimmen sie doch harmonisch zusammen. Sie zeigen, wie gut sich gerade moderne Kunstgesinnung mit ältester Tradition auf der Ebene anekdotischer Einfalt und gestischer Sparsamkeit verträgt. Es sind drei echte „Gleichnisse“, die hier als Grenzen zwischen dem sakralen Innenraum und der eingeladenen Außenwelt entstanden.

Die Ausstellung, die nicht weniger als dreizehn Länder umfaßt, ist in den Oratorien des Domes aufgestellt. Die barocke Kulisse ist nicht allen Zeugnissen unserer Mitwelt günstig, doch gelingt es den meisten, sich dennoch beim Beschauer durchzusetzen. Außer den meisten westeuropäischen Ländern sind auch Kanada und die USA vertreten – letztere mit einer geschlossenen Sammlung, die von Dr. Thomas Messer, Direktor des Museum of contemporary art in Boston, zusammengestellt wurde.