Von Karl L. Herczeg

Die Aufforderung des US-Senats an die Regierung, die Gründung eines neuen Tochter-Unternehmens der Weltbank, der International Development Association (IDA), ins Auge zu fassen, bedeutet eine wichtige Neuorientierung in den internationalen Finanzbeziehungen. Die IDA soll nach den vorliegenden Plänen langfristige Kredite mit einer Laufzeit von 20 bis 40 Jahren an Entwicklungsländer gewähren, bei niedriger .Verzinsung und Rückzahlung in Landeswährung.

Schon die erste Tochter der Weltbank, die International Finance Corporation (IFC), brachte eine Wandlung in der ursprünglich sehr orthodoxen Geschäftsgebarung, da an Stelle von Krediten an Regierungen oder für staatlich garantierte Privatprojekte nun auch rein privatwirtschaftliche Vorhaben zum Zuge kommen konnten. Dieses 1956 gegründete Institut erhielt jedoch eine Kapitalausstattung von nur 100 Mill. Dollar, so daß es von vornherein in der Anleihegewährung sehr eingeengt war. Bei den ersten Abschlüssen mit einer Kredirdauer von 10 bis 15 Jahren belief sich der Zinsfuß auf 6 bis 7 v. H., wobei die IFC anteilmäßig auch am Gewinn beteiligt war. Das Ziel liegt hierbei darin, die IFC-Beteiligung bei der ersten Gelegenheit an das Privatkapital abzutreten. Am erfreulichsten bei dieser Neugründung ist wohl, daß der Apparat nach dem ersten Geschäftsbericht nur zwölf hauptamtliche Beamte umfaßt, während zur Beurteilung der eingereichten Projekte unabhängige Konsulenten sowie die Experten der Weltbank herangezogen werden. Der IFC-Präsident Garner betonte, daß die Anleihen auf die unterentwickelten Länder konzentriert werden sollen.

Der Vorstoß des amerikanischen Senats läuft nun darauf hinaus, die Politik der Washingtoner Institute weiter aufzulockern. Vom gezeichneten Kapital in Höhe von 9,3 Mrd. Dollar der Weltbank sind statutenmäßig nur 2 v. H. in Gold und Dollar eingezahlt. Weitere 18 v. H. stehen in den nationalen Währungen der Mitglieder zur Verfügung, d. h. nur teilweise in Hartwährungen (DM, sfr, bfr, Escudo usw.), doch darf diese Quote nur mit Zustimmung der betreffenden Regierung verwendet werden. Nur die wenigsten Länder, zu denen auch die Bundesrepublik gehört, erteilten hierzu die Erlaubnis. Zur Ausweitung der Geschäftstätigkeit legte die Weltbank daher auf den Kapitalmärkten Anleihen auf, wobei bisher mehr als eine Mrd. Dollar erlöst werden konnten. Erst kürzlich stellte die Deutsche Bundesbank neuerlich einen voll konvertierbaren 200 Mill. DM-Kredit zur Verfügung, für den die Weltbank 3 v. H. Zinsen zahlt.

Die Klagen über die Weltbank richteten sich vor allem gegen die Bevorzugung der Industrieländer. Bis 1956, also weit über die eigentliche Wiederaufbauperiode hinaus, war Europa der Hauptempfänger. Von den bis Ende 1957 ausgeliehenen 2 1/2 Mrd. Dollar erhielten Mittel- und Südamerika 23 v. H., die politisch wie wirtschaftlich am unmittelbarsten bedrohten Länder Asiens nur 12 v. H., Afrika sowie der Nahe Osten 8 v. H. (Das Spiel um die Finanzierung des Assuan-Dammes an dem auch die Weltbank beteiligt war, hat dann nach der endgültigen Ablehnung dieses Projektes auf die Suez-Aktion Nassers maßgeblich eingewirkt.) Zieht man die von den europäischen Weltbank-Mitgliedern eingezahlten 2 v. H. des gezeichneten Kapitals, die freigegebenen Teile der in Ländeswährung vorhandenen achtzehnprozentigen Quoten sowie die gezeichneten Weltbank-Bonds in Betracht, so hat Europa für einen zur Verfügung gestellten Dollar nahezu zwei an Anleihen aus dieser Quelle erhalten.

Die durch die Statuten vorgeschriebene einseitige Förderung großer staatlicher Vorhaben geht ideologisch auf die Ansichten Harry Dexter Whites zurück (dem später als Ost-Kollaborateur der Prozeß gemacht wurde), der das Bretton-Woods-Konzept 1943-44 stark beeinflußt hat. Bemerkenswert war aber auch die Vorliebe für risikolose Geschäfte. Bezeichnenderweise hat die Weltbank bei den Anleihen keinen einzigen Ausfall zu verzeichnen gehabt, was jedem privaten Geldinstitut zur Ehre gereichen würde. Dafür erhielten hochindustrialisierte Länder für gänzlich einfuhrunabhängige Projekte auch dann Mittel, wenn sie in Devisen schwammen – was finanztechnisch einem gewöhnlichen Geldschöpfungsvorgang gleichkommt.

Den Ausschlag für die jetzt in Aussicht genommene Neugründung stellten jedoch die, Zinssätze dar. Diese stiegen bei den Ausleihungen von 3 v. H. bei der Aufnahme der Geschäftstätigkeit auf derzeit5 5/8 v. H. Die beträchtliche Gewinnmarge – siehe die Differenz zu dem an die Bundesrepublik gezahlten Satz von 3 v. H. p.a. – gestattete allein 1956-57 einen Reingewinn von 42 Mill. Dollar. Die gesamten Rücklagen überschritten inzwischen die 300-Mill.-Dollar-Grenze. Davon entfallen rd. 114 Mill. Dollar auf die Sonderreserve, die aus einem Kommissionszuschlag in der Höhe von 1 v. H. gespeist wird. Obwohl seit Jahren bei den Hauptversammlungen besonders die unterentwickelten Länder gegen diesen Zuschlag protestieren, war die über-konservative Geschäftsgang bisher nicht bereit, darauf zu verzichten.