Von Dieter E. Zimmer

Am 23. Juni erschien in der Studentenreitschrift der Hochschule für Sozialwissenschaften, Wilhelmshaven-Rüstersiel, „Zoon Politikon“, ein Aufsatz, in dem ein Student nanens Schmiederer seinen Kommilitonen vorhält, sie hätten auf das Denken verzichtet, um statt dessen zu „studieren“, nämlich: sich um nichts als um ihre Seminarscheine und Prüfungen zu kümmern.

Der Verfasser, ein Rüstersieler angry young man, den die Spießbürgerlichkeit seiner Mitnenschen zornig macht, formulierte polternd: „Diese Gesellschaft stinkt zwar, aber man hindert die Jugend am Riechen... Wer katzbuckelt, ist staatserhaltende Kraft.“ Als Beispiele für die allgemeine Gedankenlosigkeit führte er die kritiklose Hinnahme gewisser Begriffe wie „Rechtsstaat“, „freie Marktwirtschaft“ – und „Vaterland“ an:

„Täglich lassen wir uns diesen Begriff vorsetzen, ohne zu sagen, daß es für uns so wenig ein Vaterland gibt wie etwa ein Kaisertum von Gottes Gnaden!“

Das nun ging dem Rektor der Hochschule, Professor Peter R. Hofstätter, „zu weit“. Da die Negation des Vaterlandsbegriffes offensichtlich im Widerspruch stand zu einer Verpflichtungsformel, in der alle niedersächsischen Studenten bei der Immatrikulation geloben, „in Treue zu Volk und Vaterland für die Sache der Menschheit zu wirken“, hatte er auch einen amtlichen Grund einzuschreiten. Er erließ am 4. Juli ein hochschulinternes Vertriebsverbot für die Studentenzeitung.

Dazu erklärte Seine Magnifizenz: weder studentische Diskutierlust noch journalistische Experimentierfreude habe er drosseln wollen, lediglich der Ruf der Hochschule habe ihn zu seinen Maßnahmen bestimmt; denn die Öffentlichkeit, in die der weitaus größte Teil der Auflage verschickt werde, müsse „Zoon Politikon“ für die offizielle Visitenkarte der Hochschule halten.

Der Gefahr aber, „Zoon Politikon“ könne außerhalb der Hochschule Unheil stiften, steuerte ein hochschulinternes Vertriebsverbot nun eben nicht. So tat er ein Übriges und schickte ein Distanzierungsschreiben hinaus, in dem er darauf hinwies, daß „Zoon Politikon“ kein offizielles Organ der Hochschule sei.