Österreich im Spiegel der Bilanzen großer Unternehmen

J. B., Wien, im August

Die jetzt in langer Reihe herauskommenden österreichischen Geschäftsberichte zeigen zunächst, wie es „im Berichtsjahr“ wirklich war. Dankenswerterweise hat man sich auch zu einigen Voraussagen auf Grund der jüngsten Erfahrungen entschlossen. Hier sollen einige der bedeutendsten Unternehmensurteile in Schlagworten wiedergegeben werden.

Die Creditanstalt-Bankverein betont die Tatsache, daß sich die österreichische Außenwirtschaft trotz wachsender Konkurrent auf den Weltmärkten behaupten und daß auch Auslandskapital für Investitionen hereingenommen werden konnte und weiter zu erwarten ist, – Die österreichische Länderbank führt die günstige Entwicklung insbesondere auf zwei Umstände zurück: erstens die Tätigkeit der Paritätischen Lohn- und Preiskommission und zweitens die Wiederermöglichung beschleunige ter Abschreibungen von Anlagegütern. – Die österreichische Kontrollbank hat im Berichtsjahr als Durchführungsstelle für Weltbankkredite ein neues Institut, die österreichische Investitionskredit AG mit 10 Millionen Schilling Aktienkapital gegründet.

Weltbank war aktiv

Von insgesamt zweieinhalb Milliarden angemeldeten Investitionsvorhaben wurden der Weltbank 28 Anträge auf 466,5 Millionen Schilling vorgelegt; in die letzte Auswahl gelangten elf Anträge mit etwas über 260 Millionen Schilling (Papierfabriken, Chemie-, Textil- und Elektroindustrie), – Die Mindesthöhe eines Kredits wurde mit 10 Millionen Schilling festgelegt, wobei der Antragsteller mindestens einen ebenso hohen Betrag aus Eigenmitteln oder von anderer Seite beibringen muß.

Die Banken sind sehr liquid. Mit den Dividenden ist man auch für das Rekordkonjunkturjahr 1957 sehr sparsam umgegangen – das zeigt, daß man doch der weiteren Konjunkturentwicklung mit Zweifeln begegnet. Daß aber die Bankrate mit 5 v. H. seit November 1955 unverändert gehalten wird, beweist andererseits, daß die maßgebenden Stellen direkte Konjunktur-Injektionen noch nicht für notwendig halten.