Badenweiler, im August

Der Strom nach dem Süden reißt nicht ab. Ununterbrochen ziehen in diesen Tagen und Wochen die Autokolonnen mit Südkurs durch die Rheinebene. Es flutet über die Alpenpässe dem „garantiert schönen Ferienwetter“ entgegen.

Auf der Autokarte wird verfolgt, was links und rechts der großen Urlauber-Rollbahn zu sehen ist „Dort links, das ist der Schwarzwald...“, heißt es dann in allen deutschen Dialekten und in allen Sprachen Nordeuropas. „Und da rechts, dieser seltsame hohe Klotz.. ?“ Angestrengtes Suchen auf der Karte. Dieser, eigenartige Riesenbuckel, dort mitten aus der Ebene aufragend, ist nicht zu finden.

Aber dann kommt ein schön geschnitzter Wegweiser auf der rechten Straßenseite: Zum Kaiserstuhl. Schon ist der Wagen vorbeigesaust. „So, so ... das also war der Kaiserstuhl“, und damit ist in den meisten Fällen das Kapitel „Kaiserstuhl“ abgeschlossen. Leider ... denn der Kaiserstuhl sollte nicht so kurz abgetan werden; er ist einen Umweg wert. Er ist nämlich ein verlorenes Paradies im Kleinformat von 110 Quadratkilometern. Also einladend genug, um den Wagen vor dem ersten besten Dorfgasthof stehenzulassen und auf „Entdeckung“ auszugehen. Schließlich hat der Arzt zu Hause oft genug mahnend den Kopf geschüttelt: „Mehr Bewegung, mehr Bewegung!“ Dafür ist der Kaiserstuhl ein geradezu ideales Gelände. Man sage nicht, man könne auch in jedem Stadtpark „wandern“. Das ist nur bedingt richtig, denn zum Wandern gehört nicht nur das „Schritt für Schritt“ setzen. Es muß das Gefühl dazu kommen, etwas „geleistet“, etwas Besonderes erlebt zu haben.

Nun sind aber heute die großen und kleinen Manager so „geh-entwöhnt“, daß man ihnen beim besten Willen keine „Montblanc-Besteigung“ und keinen Marathonmarsch zumuten kann. Die Etappen von Dorf zu Dorf dürfen nicht Zu groß sein – dennoch aber soll doch „alles drin“ sein. Und Stile diese Bedingungen erfüllt der Kaiserstuhl. Eine Reise- und Wanderlandschaft für den „Klein-Wanderer“, der ja die Natur nicht weniger liebt als die trainierten Rucksack-Enthusiasten.

Also – spätestens – in Freiburg herunter von der Bundesstraße 3 und über Betzenhausen und Umkirch nach Ihringen. (Man kann auch schon vorher auf der Höhe von Riegel nach Westen abbiegen Und über Bahlingen, Eichstetten, Betzingen und Wasenweiler den Kaiserstuhl „umfahren“.) Von Ihringen wird dann „marschiert“ – über den Totenkopf hinab zum Vogelsangpaß und wieder empor zur Eichelspitze und über die Katharinen-Kapelle nach Endingen.

Das ist nur ein Vorschlag von vielen Möglichkeiten. Ob in Riegel, Sasbach oder Jechtingen, in Burkheim, Niederrotweil oder Oberschaffhausen – überall werden es sich die Gäste angelegen sein lassen, die besten Aufstiegsmöglichkeiten auf den Kaiserstuhl auszuarbeiten.