Kaum war das neue Kabinett Meyers in Düsseldorf gebildet, da gab es auch schon einen „Konflikt“, und zwar wegen des Wiederaufbau-Ministers Erkens – genauer gesagt: wegen der Frage, ob der Herr Ministerpräsident gut beraten war, als er im Landtag, bei der Vorstellung des Kabinetts, den Ministerkollegen Erkens als einen Mann aus der Arbeitnehmerschaft bezeichnete.

Seinem bürgerlichen Beruf nach war Herr Erkens bisher Angestellter; damit ist er zweifellos ein Vertreter (wenn auch noch kein Funktionär ...) der Arbeitnehmer-Seite. Trotzdem gab es wütenden Widerspruch, als Dr. Meyers ihn so bezeichnete, und zwar nicht im Landtag selbst, sondern von außerhalb: nämlich aus dem Kreise der „Sozialausschüsse der christlich-sozialen Arbeitnehmerschaft.“ Diese der CDU affilierte Organisation, an deren Spitze (nach dem Tode Karl Arnolds) der Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende der „Arbeitsgemeinschaft für soziale Wohnungspolitik“ Johannes Albers steht, hat erklärt, die Bezeichnung „Arbeitnehmervertreter“ käme Herrn Erken nicht zu, weil er Angestellter einer Industrie- und Handelskammer gewesen sei.

So geht es ja wohl nicht; auch die Tatsache, daß Herr Erkens (außer in der KAB, der Katholischen Arbeiterbewegung) im Deutschen Handels- und Industrieangstelltenverband (DHV) gewerkschaftlich organisiert war, gibt dem Sprecher der „Sozialausschüsse“ noch keineswegs das Recht zu erklären: „Wer ein richtiger Arbeitnehmer ist, das bestimmen wir!“ Darüber hinaus ist zu fragen, ob die ganz im Verborgenen wirkende Organisation der „Sozialausschüsse“ wirklich dazu legitimiert ist, für die Arbeitnehmer-Mitglieder oder -Wähler der CDU-CSU zu sprechen und dabei irgendwelche Mitbestimmungsrechte – auch, was die Zusammensetzung der Regierungen im Bund und in den Ländern anbetrifft – geltend zu machen. Das könnte sie allenfalls, wenn hinter ihr einige Hunderttausende von (beitragszahlenden!) Mitgliedern stünden... was aber nach allein, was sie über sich selbst berichtet, eben nicht der Fall ist.

Wenn demnächst, wie das in Aussicht genommen zu sein scheint, Sozialminister Theo Blank die Nachfolge Arnolds in der Leitung dieser Organisation antritt, wird hoffentlich dort ein anderer Geist einziehen. Der anmaßende Gewerkschafts-Radikalismus, der in den letzten Jahren aus fast allen Verlautbarungen der „Sozialausschüsse“ herausklang, war jedenfalls nicht recht erfreulich. E. T.