RH-Hamburg

Zum Flughafen fahren ist halb verreisen, die Halle betreten heißt Hamburg schon fast verlassen haben, aber die Terrasse des Flughafenrestaurants besuchen – das bedeutet, sich fern der properen Hamburger Gastlichkeit fühlen.

Ich ging zunächst auf die rechte offene Terrasse. An einigen Tischen saßen keine Gäste, aber gefüllte Aschbecher und benutztes Geschirr erinnerten daran, daß welche dort gewesen waren. Das war nicht einladend, und ich ging darum auf die andere, die linke Terrasse. Dort sah es ähnlich aus, aber ich fand an der Brüstung doch einen Tisch, der seinen Besuchern nur mit zwei leeren, schon gut ausgetrockneten Brausegläsern nachtrauerte. Viele Krümel, die offenbar von dem herrührten, was auf der Karte fein mit Patisserie bezeichnet war, ließen sich wegpusten. Nachteilig war nur, daß das Tischtuch in der Mitte sehr naß war. Ein gefülltes Glas mußte umgekippt sein.

Ich zog meine Handschuhe wieder an und studierte den reichlich mit Fettflecken verzierten kleinen Speisezettel. Das lappige, dunkelgelbe Papier – offenbar bedruckt, bevor man entdeckt hatte, daß Häßlichkeit sich schlecht verkauft – wirbt: Besuchen Sie den Flughafen Hamburg, das Luftkreuz des Nordens.

Nach einer Weile kam der Kellner.

„Das Tischtuch ist ganz naß“, sagte ich. „Ja“, erwiderte der Kellner, „das kann ich ja nun auch nicht helfen. Das liegt ja an den Gästen selber. Das einzige, was ich machen könnte, wäre, das Tischtuch von dort drüben hier aufzulegen.“ Da ich keinen Einspruch erhob, wechselte er die Tücher aus. Ich erhielt das vom Nebentisch, das noch ganz gut erhalten war.

Ob Fluggäste, die in Hamburg zwischenlanden und von der Stadt nichts weiter sehen als den Flughafen und sein Restaurant, wohl von der Hansestadt ein richtiges Bild erhalten? Wenn nicht, dann liegt das nicht „an den Gästen selber...“