Dank der zielstrebigen Arbeit ihrer Verwaltung konnte die Phrix-Werke AG, Hamburg, auch in Geschäftsjahr 1957 die Konsolidierung fortsetzen. Das ist beachtlich, denn das Unternehmen hatte nicht nur die allgemeinen Schwierigkeiten der Chemiefaser-Industrie zu überwinden, sondern mußte darüber hinaus auch noch mit den immer nach vorhandenen Belastungen aus der Vergangenheit fertig werden. Immerhin ist es gelungen, den Aktionären der Phrix wieder eine Dividende von 5 v. H. zu sichern. Ob sie für das laufende Geschäftsjahr mit mehr rechnen können, ist trotz der für diesen Zeitraum geltenden ermäßigten Körperschaftsteuer für ausgeschüttete Gewinne sehr zweifelhaft, denn – wie im Geschäftsbericht vermerkt wird – der bisherige Geschäftsverlauf hat im Jahre 1958 das Unternehmen vor sehr schwere Probleme gestellt, da infolge stark verminderter Verkaufsmengen und herabgesetzter Preise trotz teilweise gesenkter Materialkosten und weiterer Rationalisierungserfolge ein voller Ausgleich bisher nicht eizielt werden konnte. Die Verwaltung hofft aber, daß der allgemeine Lagerabbau bei den Abnehmern bei Eintreten der Herbstsaison im zweiten Halbjahr eine Belebung bringen wird.

Diese Lage ist kein Sonderfall. Auch die Wollgarnfabrik Tittel & Krüger und Sternwoll-Spinnerei AG, Hamburg, klagte vor wenigen Tagen auf ihrer Hauptversammlung über den schlechten Geschäftsgang in diesem Jahr, stellte aber bereits eine leichte Absatzbelebung fest. Für die Schwierigkeiten gaben beide Unternehmen die gleichen Gründe an. Es handelt sich in der Textilindustrie weniger um eine allgemeine „Recession“, sondern sie leidet vielmehr unter den Folgen der Liberalisierung, die sie – von ihrer Sicht aus – als zu weitgehend betrachtet, zumal die ausländische Konkurrenz teilweise subventioniert wird und infolgedessen mit Dumpingpreisen arbeiten kann. Dazu die Phrix in ihrem Geschäftsbericht: „Wir haben die Hoffnung, daß auch auf Grund der Vorstellungen der Spitzenvertretungen der Textilindustrie, die unsere Industriegruppe nach Kräften zu unterstützen versucht hat, die Regierung Maßnahmen treffen wird, die die Lage auf dem Textilmarkt zu konsolidieren geeignet sind und damit auch uns wiederum bessere Aussichten verschaffen.“

Zur Geschäftslage der Phrix: Der Gesamtumsatz der Gruppe ist in 1957 (einschl. der 42 Mill. Umsätze der Beteiligungsgesellschaften) auf rund 252 Mill. DM gestiegen. Das ist ein Plus von 4 v. H. Unverändert entfielen, wie im Vorjahr, etwa 85 v. H. auf den Chemiefaser-Sektor (Zellwolle, Reyon, „Perlon“, und auf die Acrylfaser „Redon“) und 15 v. H. auf die Sparten Zellstoff, Papier, Zellglas- und Polyäthylenfolien, Viskoseschwämme und Sprit. Der Anteil des Exports am Umsatz hat weiter zugenommen. Der Auslandsumsatz der Gruppe hat wertmäßig 27 v. H. des Gesamtumsatzes betragen. Die Exporterlöse waren auch in 1957 nicht voll befriedigend, obwohl teilweise Fortschritte in der Stabilisierung der Preise erzielt werden konnten.

Die Liquidität der Gesellschaft blieb gegenüber dem Vorjahr im wesentlichen unverändert. Das Anlagevermögen (einschl. Beteiligungen und Anzahlungen) von 59,6 Mill. ist durch das Eigenkapital (Aktienkapital 55 Mill. und gesetzt. Rücklage 5,6) überdeckt. Von rund 20 Mill. Fremdmitteln sind 4 Mill. durch langfristige Forderungen gebunden, so daß wie im Vorjahr daraus etwa 16 Mill. zur Finanzierung des Vorratsvermögens herangezogen wurden. Die kurz- und mittelfristigen Verbindlichkeiten (einschl. der für die Dividendenzahlung vorgesehenen Mittel) betragen etwa 49 Mill., denen 23 Mill. kurzfristige Forderungen und flüssige Mittel gegenüberstehen. Auch in 1957 wurden die der Gesellschaft zur Verfügung stehenden Bankkredite nicht voll ausgenutzt. Investiert wurden im Berichtsjahr für 8,4 Mill. bei 10 Mill. DM Abschreibungen. K. W.