Kürzlich beklagte sich ein alter Freund unseres Blattes – ein ehemaliger Hamburger Senator – darüber, daß in den Börsenberichten der Zeitungen und der Banken die Schiffahrtswege, also die Aktien der Reedereien, kaum Beachtung finden. Nun, das hat seinen Grund in den geringen Umsätzen bei den Reederei-Papieren, die sich – im Gegensatz zu früher – zum überwiegenden Teil in festen Händen befinden. Nach einer Dividendenlosigkeit bei großen Reedereien von 25 Jahren und mehr haben auch die „treuesten“ Aktionäre eingesehen, daß sie hier mit ihrem Geld an falschen Platz sind. Die von der Publizität vernachlässigten Schiffahrtsaktien stellen im Börsenleben ein besonderes Kapitel dar, genauso wie die Versicherungsaktien, die ebenfalls Stiefkinder der Börsenberichterstattung sind. Bei den Versicherungsaktien tritt zu der auch hier bestehenden Marktenge eine Reihe von technischen Schwierigkeiten hinzu, die den Handel belasten und die den Normalsparer die Beurteilung des Marktes und seiner Papiere nahezu unmöglich machen.

Der Handel mit Versicherungsaktien ist deshalb. besonders kompliziert, weil diese Aktien überwiegend Namensaktien sind. Namensaktien (im Gegensatz zu den üblichen Inhaberaktien) lauten auf den Namen des Inhabers, der auch in das Aktienbuch der AG eingetragen wird. Die Satzung kann die Übertragung dieser Aktie an die Zustimmung der Verwaltung binden. Das ist bei den Versicherungsaktien üblicherweise der Fall. Namensaktien waren am deutschen Wertpapiermarkt selten und wenig beliebt. Die Alliierten erzwangen nach dem Kriege die Einführung von Namensaktien bei den entflochtenen Gesellschaften, die jedoch inzwischen alle wieder zur bewährten Form der Inhaberaktien zurückgekehrt sind.

Warum halten dann aber die Versicherungsgesellschaften an der offensichtlich wenig populären Namensaktie fest? Diese Frage können Sie, meine Leser, mit Recht stellen. Für Namensaktien bei Versicherungen sprechen zwei Gründe:

1. Die Versicherungsaktien sind in sehr vielen Fällen nicht voll eingezahlt. Es kann beispielsweise vorkommen, daß auf eine Aktie über nom. 100 DM erst eine 50prozentige Einzahlung geleistet worden ist. Der Inhaber der Aktie ist jedoch verpflichtet, die restlichen 50 DM an die Gesellschaft zu zahlen wenn sie diesen Betrag anfordert. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit einer Kontrolle über den Aktionärskreis, denn er muß auch in der Lage sein, die Verpflichtungen der Resteinzahlungen zu erfüllen.

2. Durch die Einführung von Namensaktien, die eine jederzeitige Kontrolle des Aktionärskreis erlaubt (und eine Steuerung ermöglicht) wollen sich die Versicherungsgesellschaften gegen Überfremdung schützen. Versicherungsaktien befinden sich größtenteils in festen Händen, meist bei anderen Versicherungsgesellschaften. Ob man einen derartigen Zustand begrüßen soll, steht auf einem anderen Blatt. Jedenfalls erschwert er eine echte Kontrolle der Verwaltungen, die sich in der Praxis oftmals gegenseitig „überwachen“.

Aus der Tatsache, daß die Aktien häufig nicht voll eingezahlt sind, resultiert das Erfordernis, die Aktien „per Stück“ zu notieren. (Also nicht in Prozent wie bei den anderen Aktien am deutschen Markt). Nehmen wir ein Beispiel: Die Transatlantische Versicherung hat Aktien mit einer Stückelung über 120 DM, 160 DM und 200 DM. Auf alle drei Typen ist eine Einzahlung von 80 v. H. erfolgt. Also sind auf eine 200 DM-Aktie erst 160 DM eingezahlt. Im vergangenen Monat wurde dieses Papier – wie aus einer ausgezeichneten Übersicht des Bankhauses C. G. Trinkaus, Düsseldorf, über Versicherungsaktien hervorgeht – mit 360 DM notiert. (Das entspricht einem Kurs von 225 v. H.). Die Rendite läßt sich dann so ausrechnen: Für 1956 wurden 10 v. H. auf das eingezahlte Kapital (in unserem Beispiel auf 160 DM) ausgeschüttet. Der Aktionär erhielt also 16 DM für eine Aktie, für die er 360 DM zahlen muß. Das entspricht einer Rendite von 4,4 v. H.

Einfacher läßt sich die Berechnung bei der Stettiner Rückversicherung anstellen. Die Aktien über nom. 100 DM sind voll eingezahlt. Für 1957 wurden 12 v. H. ausgeschüttet, und der Kurs liegt bei 220 v. H. Also Rendite = 4,9 v. H.