C. W., Berlin

Gebt uns doch was zu essen, und wenn es eine Wassersuppe ist!“ – die Fahrgäste der Schnell- und Personenzüge, die aus Sachsen nach Berlin fahren, hören es in diesen hochsommerlichen Tagen recht oft. Sie hören die Stimmen von jungen Menschen aus einer Baracke auf dem Bahnhof Schönefeld im Süden Berlins, wo die Volkspolizei die Berlin-Reisenden aus der Zone kontrolliert. So dicht halten die Züge neben der Baracke und so laut gellen die Schreie, daß die Fahrgäste sich die Ohren zuhalten müssen.

In der Baracke ist ein Vierundzwanzigstunden-KZ für Jugendliche eingerichtet worden, die nach Berlin reisen wollen und die hier von den Vopos vor der „Republikflucht“ bewahrt werden sollen. Gleichgültig, ob die jungen Leute wirklich dem Arbeiter- und Bauernparadies den Rücken zu kehren trachten oder nicht – wer unter zwanzig ist, wird an bestimmten Tagen aus dem Zug geholt und in die Baracke gesperrt, bis seine Personalien überprüft sind. Viele werden gleich wieder in ihre Heimat geschickt.