Unsere Epoche liebt die Ungehorsamen, die Dichter und die Verrückten nicht. Sie kennt keine Avantgarde mehr, keine literarische Gruppe, keine Freundschaft, nicht einmal mehr Ideen. Eine Epoche der Schnelligkeit, die nur mehr Radfahrer und Sänger bewundert, die Dichtung und „Dichterisches“ verwechselt, die nicht mehr singt, sondern nur vor sich hin trällert, die sich auf die Langeweile stürzt, wie um ich weiß nicht welche Sünde zu büßen, die der Politik und dem Geld den Vorrang einräumt, kann meine Gunst nicht haben ... Lange gab es eine Verschwörung des Schweigens, heute gibt es eine Verschwörung des Lärms. – Jean Cocteau

Genosse Dürer

Als Produktionsgenossenschaft Albrecht Dürer firmieren zehn Malermeister in Freiberg/Sachsen. – Nicht gerade bescheiden, aber warum sollten deutsche Anstreicher bescheidener sein als ein österreichischer...?

Akademische Kreislaufstörungen

Nach dem jüngsten Bericht des Deutschen medizinischen Informationsdienstes sind Kreislaufstörungen oft auf übermäßig starke geistige Beanspruchung zurückzuführen. Wie die Ärzte feststellten, erhöht sich die Gefahr, wenn die Arbeit von dem Gefühl ständiger Erfolglosigkeit begleitet ist. Eine medizinische Untersuchung ergab, daß doppelt soviel Akademiker an Erweiterung der Herzkranzgefäße sterben wie Menschen mit Grundschulausbildung. Ob das, gehörig propagiert, die „Massenlawine über den deutschen Universitäten“ verkleinern könnte?

Lohengrins Stammbaum gefordert

In ihrer letzten Nummer untersucht die sowjetzonale Zeitschrift Theater der Zeit die „Linientreue“ Richard Wagners und die Verwendbarkeit seines Werkes zur Unterstützung der kommunistischen Thesen. Danach hat der „Barrikadenkämpfer“ von Dresden nicht gehalten, was er versprach. Besonders übel nimmt ihm die Zeitung das Lohengrin-Motiv „Nie sollst du mich befragen...“