C. S., Leipzig

Ab 1. September müssen alle Oberschüler der Klassen 7 bis 12 in der Sowjetzone einen Tag in der Woche in irgendeinem Betrieb arbeiten: Die Abiturienten sollen von nun an leben der Reifeprüfung auch eine Facharbeiterprüfung ablegen. In den beiden ersten Oberschuljahren werden die Schüler eine allgemeine polytechnische Ausbildung durchmachen und so die „volkswirtschaftlichen Belange“ erfüllen helfen. Die beiden letzten Klassen sollen dann an einem Tag in der Woche in Lehrwerkstätten für einen Facharbeiterberuf ausgebildet werden. Am Ende der 12. Klasse legt der Oberschüler die Reifeprüfung ab, bleibt jedoch weiter auf der Schule und geht in den Betrieb zur praktischen Ausbildung. Nach einem Jahr macht er die Facharbeiterprüfung. Erst dann darf er sich für das Studium bewerben.

Die SED-Bezirksleitung Leipzig teilt dazu mit, daß künftige Dolmetscher auch gute Viehzüchter, künftige Lehrer auch gute Maurer sein müßten, um im „sozialistischen Stil“ leben zu können...

Damit glaubt Pankow das Ei des Kolumbus gefunden zu haben, denn für alle Abiturienten, die nicht zum Studium zugelassen werden, fällt nach der neuen Regelung die Lehrzeit weg, die sie für ihren zukünftigen handwerklichen Beruf brauchen.