Es macht ja gerade die Gefahr des „Militarismus“ aus, daß seine Methoden der Menschenbehandlung aus der Kaserne in das zivile Leben verpflanzt werden. Bald hält man dann allgemein für vorbildlich, was höchstens auf dem Kasernenhof plausibel ist.

Einen solchen Fall von Militarismus brachte eine Berufungsverhandlung vor dem Landgericht Bayreuth ans Licht. Das Gericht sprach einen Mann frei, der in erster Instanz wegen „Verleumdung“ zu 200 Mark Geldstrafe verurteilt worden war.

Als „Verleumdung“ hatte eine „Eingabe“ gegolten, die der Beamte Josef Marz gemacht hatte, um sich gegen den ihm vorgesetzten Oberinspektor im Versorgungsamt zu wehren. Dieser Oberinspektor hatte ihn, unter höchsteigener Aufsicht, mehrmals gezwungen, den Büroschrank „militärisch exakt“ einzuräumen, ja, er hatte ihn schließlich auch mit „Spindappellen“ schikaniert.

Dagegen hatte sich Josef Marz aufgelehnt. Welcher Mensch von einiger Selbstachtung hätte dies nicht getan? Der Oberinspektor aber sah in der „Eingabe“ seines Opfers eine „Verleumdung“, und dies erinnert daran, wie es um das „Beschwerderecht“ des früheren Kommißsoldaten bestellt war: er „durfte“ sich zwar beschweren, aber wehe ihm, wenn er sich beschwerte! Galt er doch sogleich als ein Aufsässiger, ein bedenkliches Subjekt, ein halber Revolutionär. Nun, das Gericht, wie gesagt, fand nicht, daß es Sache ziviler Vorgesetzter sei, mit Untergebenen „Spindappelle“ durchzuführen.

Nehmen wir zur Kenntnis, daß es derartige militärische Instinkte immer noch gibt, und versuchen wir, sie unschädlich zu machen, indem wir sie nicht verschweigen. Merker