Von Paul Hühnerfeld

Als Arno Schmidt vor fast zehn Jahren seine erste Erzählung „Leviathan“ veröffentlichte, als 1951 sein erster Roman „Brand’s Haide“ erschien, da war inmitten noch chaotisch zerfließender Prosa eine fast grelle Begabung nicht zu übersehen. Wer diese scheinbar wild hingeworfenen und dabei doch bedachten Sätze (wenn sie auch noch nicht durchdacht waren) las, der konnte Hoffnung haben, daß sich hier ein Großer zu entwickeln beginne.

Mit Eifer werden manche Leser die nächsten Bücher Schmidts verfolgt haben: „Aus dem Leben eines Fauns“, „Die Umsiedler“, „Kosmas“, „Das steinerne Herz“. Aber je mehr sie lasen, um so beunruhigter werden sie gewesen sein: beunruhigt darüber, daß man beim Lesen der neuen Texte von Schmidt eigentlich immer weniger beunruhigt wurde. Mit seinem neuesten Buch nun –

Arno Schmidt: „Die Gelehrtenrepublik“; Stahlberg Verlag, Karlsruhe; 225 S., 9,80 DM

– dürfte sich unser Autor fürs erste einmal aus der Reihe wirklicher Hoffnungen der jüngeren deutschen Literatur „herausgeschrieben“ haben.

Die Idee dieses Zukunftsromans, der im Jahre 2009 spielt, ist weder originell noch geschmackvoll: ein dritter Weltkrieg hat Europa „atomisiert“, Sprachen wie das Deutsche, Französische oder Italienische sind längst „tote Sprachen“ geworden. Die neuen Weltmächte heißen Amerika, Rußland, Indien und Arabien.

Ein amerikanischer Journalist namens Winer (originellerweise der Urgroßneffe eines in der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts lebenden deutschen Poeten namens Arno Schmidt) erhält die Erlaubnis, den „hominiden Streifen“ zu durchqueren, das Stück Land, in dem die Amerikaner durch Mutationen entstandene neue Rassen – zum Beispiel Zentauren – pflegen und beobachten, und die Gelehrtenrepublik „Iras“ aufzusuchen.