Dies ist eine Arabeske, eine freundliche Vignette zum ernsten Text im Buche der menschlichen Schicksale: Die Geschichte einer Münchener Schülerin, 14 Jahre alt, die eine Leidenschaft für Pferde hat. Keine so bloß ästhetische, platonische, die sich am Anblick der edlen Tiere genügen läßt. Nein, eine sehr temperamentvolle, genußsüchtige, die zum Erlebnis drängt.

Also mietet das Mädchen ein möglichst hübsches Pferd – etwa in der Universitäts-Reitschule. Es schwingt sich in den Sattel, reitet auf Abenteuer aus. Der kleinen Amazone ist es schon passiert, daß sie nach einigen Tagen schmerzlichen Vermißtseins irgendwo aufgegriffen und den Ihrigen wieder zugeführt wurde. Dennoch wagte sie das Abenteuer ein zweites Mal.

Diesmal kam die Reiterin durch einen Wald. Hier erschreckte sie der Anblick einer Frau, die gerade eine Überdosis Schlafmittel zu sich genommen hatte, um aus dem Leben zu scheiden; sie hatte bereits das Bewußtsein verloren. Die Reiterin galoppierte sofort zum nächsten Landpolizeiposten – es war in der Nähe von Bad Aibling –, die Lebensmüde konnte im Krankenhaus noch gerettet werden. Allerdings war nun auch die zweite „Ausfahrt“, der zweite „Ritt ins Blaue“, beendet.

Ein Kapitelchen aus „Don Quixote“? Ja. Aber wie schön, daß sogar heute noch solche unwahrscheinlichen Begebenheiten möglich sind! Horcher