C. W., Schwarzenberg

Oben, auf der Bühne in der Aula der Bert-Brecht-Oberschule von Schwarzenberg im Erzgebirge, steht ein Lehrer und singt. Hinter ihm stehen andere Lehrer und singen ebenfalls: Kirchenlieder. Aber die alten Paul-Gerhardt-Texte sind ersetzt durch Agitprop-Texte atheistischer Provenienz. Der Lehrer-Solist hält ein schwarzes Buch in der Hand, eine Lutherbibel mit dem goldenen Kreuz. Aufgeklebt ist das Wort „Dibelius“. Der Choral „Ein feste Burg ist unser Gott“ klingt auf – aber nur die Melodie. Der Text: das ist wieder ein Agitprop-Machwerk. Unten, im Publikum, sitzen die Eltern der Oberschüler. Schweigend. Dann peitscht ein kommunistischer Song durch denSaal. Der Lehrer-Solist wirft die Bibel weg und hält ein rotes Buch mit Sowjetstern und Aufschrift „Marx“ in den Saal.

Plötzlich bricht er zusammen. Und der Chor kommentiert im Sprechgesang: „Dienst ist Dienst – und Schnaps ist Schnaps... Bei 630 Mark Monatseinkommen muß jeder Lehrer unter der Last des inneren Zwiespalts zusammenbrechen. Dibelius oder Marx – entscheidet euch!“

So sind einige Pädagogen zu Schwarzenberg (und anderswo in Mitteldeutschland). Sie haben ein Optimisten-Kollektiv gegründet, das in Lehrer Goldhahns „Kabarett der Lehrer und Erzieher“ auftritt. Sie attackieren ihre Kollegen, die „noch“ Christen sein wollen. Sie attackieren die Eltern ihrer Oberschüler.

Ein Zuhörer schrieb nach der Vorstellung einen – anonymen – Brief an Lehrer Goldhahn. Darin stand: „...Diese Verleumdung einer solchen heiligen Sache kann keinem anständigen Christen gefallen. Hochachtungsvoll O. Schmidt.“

Natürlich gibt es den O. Schmidt nicht in Schwarzenberg. Aber Lehrer Goldhahn, Initiator der Gottlosenpropaganda an der Brecht-Oberschule, hat einen offenen Brief an O. Schmidt geschrieben, den die Chemnitzer „Volksstimme“ veröffentlichte:

„Zugegeben – das ist ein starker Tobak, aber er ist notwendig. Es gibt Menschen, darunter leider auch Lehrer, die nehmen ihre Gesinnung mit dem Monatsgehalt, und sie haben in der Folge eine Dienstgesinnung und im stillen eine Privatgesinnung, sie heucheln also, um ihr Geld zu verdienen. Für mich ist das Kirchenlied ein Lied unter anderen Liedern, und ich verwende seine Melodie dort, wo es mir für die satirische Wirkung passend erscheint. Die christliche Lehre wird heute von den Feinden der Menschheit gern als Aushängeschild für ihre dunklen Ziele mißbraucht. Wenn wir dabei Choralmelodien verwendeten, so war es letztlich unser Ziel, die,anständigen Christen’ unduldsam zu machen gegen die scheinchristlichen Deckmäntelchen der Strauß, Adenauer und Dibelius.“

Die Atheisten-Kampagne in Mitteldeutschland rollt. Aber sie erreicht etwas ganz anderes: sie weckt Widerstandskräfte, die bisher nur schlummerten.