DK-Hamburg

Wer den erfolgreichen englischen Film „Ladykillers“ gesehen hat, wird sich der alten Dame erinnern, die höchst Ungewöhnliches erlebt und es – höchst ungewöhnlich – wie selbstverständlich mitteilt – mit dem Ergebnis, daß niemand ihr die Behauptung glauben wollte, in ihrem Hause wohnten Mörder, die kofferweise Geld besäßen. Film? Man denke nicht, daß solches nur im Film geschehen kann. Es kommt sogar in Hamburg vor und ist die letzte Woche passiert.

Da stellte eine alte Frau in Wandsbek zu ihrem Befremden fest, daß ihr junger Untermieter in seinem Zimmer einen anderen jungen Mann ermordet hatte. Und die alte Dame überlegte, als der Täter das Haus verließ, daß sie ihm zweckmäßigerweise wohl folgen müsse. „Ich werde unterwegs veranlassen, daß er verhaftet wird“, dachte sie.

Aber eben dies erwies sich als gar nicht so einfach. Passanten, die sie ansprach, schüttelten nur den Kopf. Dann ging der Mörder in eine U-Bahnstation. Die alte Dame flüsterte dem Fahrkartenverkäufer zu: „Der da ist ein Mörder, telephonieren Sie.“ Der Fahrkartenverkäufer tat nichts dergleichen. Er ist ein publikumserfahrener Mann natürlich, ein Fachmann in Fahrgasttypen. Er hat schon mehr wunderliche alte Frauen gesehen...

Mörder und Wirtin fuhren also mit der U-Bahn. Und kamen wieder auf eine Straße. Dort tauchte, so wird berichtet, hinter der alten Frau ein Streifenwagen auf. Streifenwagen reagieren auf Winke, auf Alarm, auf exakte Mitteilungen. Auf den heimlichen Wink der Alten reagierte dieser nicht. Vielleicht war der Wink doch allzu heimlich.

Hätte sie nun hingehen und Exaktes zu Protokoll geben sollen, indes der Mörder entwischt wäre? Sie tat es nicht und folgte weiter seinen Spuren, die bald in einen Laden führten.

Dort kaufte der junge Mann einen Reisekoffer; denn er gedachte, mit dem geraubten Geld nach Venezuela auszuwandern. „Er wird ja einen Koffer nicht im Handumdrehen kaufen“, dachte die alte Frau und ging rasch zur nächsten Polizeiwache. Wahrhaftig, dort glaubte man ihr. Wenigstens fühlte sich die Polizei verpflichtet, nachzusehen, ob an der schrecklichen Behauptung etwas Wahres sei.