Zuflucht in die Geborgenheit – Ideale und Opfer ohne Kurswert – „Heute Held, morgen Verräter“ – Angst vor der Zukunft?

Von Barbata Bondy

Wenn man der Öffentlichkeit von einer neuen Umfrage und deren vorsichtiger Auswertung berichten will, so drängen sich zwei Überlegungen auf, die allem Folgenden vorangestellt seien:

1. Es gehört zweifellos zu den beliebtesten Gesellschaftsspielen der heutigen Erwachsenenwelt, Umfragen bei der jungen Generation zu veranstalten. Die Sucht grassiert. Sie hat ihre guten und ihre bösen Seiten. Die guten: daß man – unter glücklichen Umständen – auf diesem Weg die besten und sichersten Auskünfte über die jungen Leute erhalten kann, spontan, ehrlich, rückhaltlos. Die bösen: daß man dabei Gefahr läuft, diese Jungen in einen ständigen Interview- und damit Publicity-Zustand zu drängen, sie also gewissermaßen der Öffentlichkeit „auszuliefern“. Damit aber würde man ihre labilen Wert- und Weltvorstellungen – denen man meist ergründend und bemüht auf der Spur zu sein glaubt – in bester Absicht weiter unterminieren.

2. Glanz und Elend einer jeden Umfrage sind bekannt. Wo beginnt, wo endet ihre Verbindlichkeit? Wie weit darf man den Antworten den Glanz echter Repräsentanz zubilligen, wie weit reicht das Elend ihrer Zufälligkeit, nämlich bloß unverbindliche Einzelstimmen zu sammeln, die sich aufdrängen und dann Fehlinterpretationen forcieren?

Die Redaktionen des Frauen- und Jugendfunks am Bayerischen Rundfunk waren sich dieser einschränkenden Erwägungen durchaus bewußt, als sie vor einigen Wochen eine Umfrage unter den 18- bis 30jährigen veranstalteten. Anlaß dazu waren zwei ausländische Umfragen, die einen abwägenden Vergleich nahelegten. Im vorigen Jahr richtete sowohl die Warschauer Tageszeitung Sztandar Mlodych wie die französische Wochenzeitung l’Express eine lange Fragenreihe an die junge Generation. Auffallend ist, daß in Polen wie in Frankreich dieselben Probleme zur Diskussion gestellt wurden, nämlich:

Idealbindung und persönliche Opferbereitschaft; das Verhältnis zum eigenen Land und den großen politischen und sozialen Kräftekonstellationen und – als Resümee alles dessen – das Glücksstreben der jungen Generation.