Zwei Männer und eine Frau sind in der richtigen Konstellation die Figuren eines Dramas, für dessen Ende dem Schriftsteller alle Gefühlsvariationen vom heldenhaft-rührseligen Verzicht bis zum Tod mindestens eines der Beteiligten zur Verfügung stehen. Der Schriftsteller

Stuart Cloete: „Mamba“; Wolfgang Krüger Verlag, Hamburg; 328 S., 13,80 DM,

wählte für dies klassische literarische Sujet eine extrem erbarmungslose Form. Die Szene spielt in Amerika. Handelnde Personen sind der Ehemann Henry, ein brutaler Sadist und Manager einer Farm; die Ehefrau Helen, ehemaliges Taxigirl aus Bournemouth, das Henry während eines Englandurlaubs blitzheiratete; und der Junggeselle Jim, stellvertretender Manager, der Helen liebt und Henry haßt. Sonst gibt es nur Dschungel, Afrika, Neger.

Der Kampf zwischen Gut und Böse wird also durch nichts abgelenkt. Henry benutzt Afrika, das von Helen als feindliche Gewalt empfunden wird, dazu, um sie tödlich zu quälen. Sie findet bei Jim Schutz und wird seine Geliebte. Henry straft beide und ermordet Helen, indem er einen „Unglücksfall“ arrangiert: eine Giftschlange dringt in ihr Schlafzimmer ein. Jim, der Henrys Plan rekonstruiert, nimmt auf gleiche Weise Rache und inszeniert einen Jagdunfall, dem Henry erliegt.

Das Drama ist zu Ende. Für Cloete ist es jedoch nur der Anlaß für das Porträt eines verlorenen Lebens. Jim, der mit seiner Rachetat die Gerechtigkeit wiederherzustellen meinte, trifft die Strafe des modernen Kain: ein Leben fernab vom Glück. Denn die Strafe für die Sünde – das läßt Cloete seinen Helden ahnen – trifft auch den, der damit prahlt, daß er nicht an Gott glaubt. Jim fragt: „Ist, was hier berichtet wird, die Geschichte einer Entartung oder etwas, das jedem von uns ... hätte geschehen können – oder ist auch diese Geschichte weiter nichts als ein Alibi?“ Und er antwortet mit der archaischen Wahrheit, daß auch die Bosheit und das Böse seines Bruders kein Alibi für Kain gewesen wären.

So umschließt Cloete mit stilistischer Brillanz Jims straffen Bericht über das Drama in Afrika mit dessen monomanischen bis prahlerischen Rechtfertigungsversuchen, mit der endlosen Jagd nach dem Alibi, das es nicht gibt.

Stuart Cloete, der selbst fünfzehn Jahre in Afrika gelebt hat, versteht es meisterhaft, das Milieu so lebendig zu machen, daß es wie eine vierte Person mitspielt und die Handlung mit dumpfer Leidenschaft befeuert. sy