Es begann mit Stalins Ärzteprozeß – Zwangsaussiedlung war kein „Geschenk“ – Quotensystem für jüdische Beamte

Von Oskar Weissmann

Nimmt die Sowjetunion gegenüber den Juden eine „besondere Haltung“ ein? Bei einem Botschaftsempfang in Moskau sagte Chruschtschow: „Wenn Sie mich fragen, worin diese besondere Haltung besteht, so sage ich, die Hälfte der Ehefrauen der Mitglieder des Parteipräsidiums ist jüdisch.“ Abgesehen davon, daß diese Antwort sachlich angefochten wird – verdeckt sie eine unleugbare Tatsache: Es gibt ein spezifisch sowjetisches „Judenproblem“. Das ist unlängst auch von Dr. Naham Goldmann, dem Präsidenten des Jüdischen Weltkongresses, erneut bestätigt worden. Er wies darauf hin, daß den Juden in der UdSSR bis heute der Status einer nationalen Minderheit verweigert wird. Ihnen bleibe sowohl das Kollektivrecht der Kulturautonomie wie auch das individuelle Recht der völligen kulturellen Assimilation oder aber das Recht der Auswanderung nach Israel vorenthalten.

Am 13. Januar 1953 verbreitete die amtliche Nachrichtenagentur der Sowjetunion Tass eine ungeheuerliche Meldung:

„Vor einiger Zeit wurde von den Staatssicherheitsorganen eine terroristische Ärztegruppe entlarvt, die sich das Ziel gesetzt hatte, durch Anwendung schädlicher Behandlungsmethoden das Leben führender Persönlichkeiten der Sowjetunion zu verkürzen ... Es wurde festgestellt, daß alle diese Ärzte ... bezahlte Agenten des ausländischen Spionagedienstes waren.“

Die Ärzte wurden beschuldigt, den Kronprinzen der Sowjet-Hierarchie, Politbüro-Mitglied A. A. Shdanow, und den ehemaligen Parteisekretär Schtscherbakow durch Medikamente getötet und Anschläge auf das Leben des Kriegsministers Wassilewski, des Marschalls Konjew und des Generalstabschefs Schtemenko geplant zu haben.

„Blind wie junge Katzen“