Der letzte Trottel in der Geschichte der Menschheit wurde im Jahre 1990 geboren, als nicht nur alle Trottel von der Erde verschwunden waren, sondern die Wissenschaft auch versicherte, Mittel zu besitzen, um die Wiedergeburt eines Trottels von vornherein auszuschließen.

Die sofort unter dem Vorsitz des Generaldirektors der I. O. B. P. (Internationale Organisation für Biologische Polizei) einberufene Untersuchungskommission stellte fest, daß das Verbrechen mit Vorsatz verübt und der Bosheit von Don Pasqualino Criscuolo, Neapels ältestem Apotheker, zuzuschreiben sei. Die Dinge selbst aber hatten sich folgendermaßen zugetragen:

Eines schönen Morgens war Michele Esposito überglücklich in Don Pasqualinos Apotheke erschienen, weil seine Ehefrau Concettina, nach vierzehnjähriger kinderloser Ehe, endlich in andere Umstände gekommen war.

Weiterhin steht fest, daß Herr Esposito den Apotheker um eine Phiole Chromosomen für seine Frau bat, damit ihnen ein „außergewöhnliches“ Kind geboren werde.

„Außergewöhnlich?“, brummte der alte Apotheker. „Und was verstehen Sie unter außergewöhnlich?“

„Jemand, der nicht so ist wie Sie und ich“, antwortete Michele. „Da der heilige Gennaro mich davor beschützt hat, Kinder in einer Zeit zu bekommen, da man sie noch nehmen mußte, wie sie eben kamen, und mir erst jetzt eines schenkt, wo man sie so bauen kann, wie man will, möchte ich also ein ganz besonderes haben. Ich habe lange darüber nachgedacht, und Concetta und ich haben eine Liste zusammengestellt. Hier ist sie. Fangen wir bei der äußeren Erscheinung an: Groß soll er werden und blond, und wenn er auch dann seinen Eltern wenig ähnelt, macht das nichts, wir wollen nicht egoistisch sein. Und natürlich gesund. Don Pasqualino, da müssen Sie besonders achtgeben. Ob er nun durch Ihre Medizin eine etwas dickere oder dünnere Nase bekommt, hat nichts zu sagen, aber bei der ersten Erkältung, die er kriegt, verklage ich Sie! Wenn man solange wie ich auf einen Sohn gewartet hat, kann man wohl verlangen, daß er mindestens neunzig Jahre alt wird, und das ohne Leberbeschwerden oder Rheumatismus.“

„Darüber wären wir uns also einig. Etwas schwieriger ist es schon mit dem übrigen, und deswegen möchte ich gern Ihren Rat einholen. Soll er sich zum Dichter oder zum Wissenschaftler entwickeln? Soll er ein politisches, ein künstlerisches oder ein Geschäftsgenie werden? Ich hätte es am liebsten, wenn er alle drei Eigenschaften besäße. Den Sohn von Michele Esposito, der natürlich auch Michele Esposito heißen wird, stelle ich mir am Morgen gern im Büro des Bürgermeisters vor, an der Stelle von Lauro; und am Nachmittag im Gerichtssaal auf dem Platz des großen Advokaten Porzio. Und warum nicht am Abend im Café wie der Dichter Libero Bovio? Haben Sie kein Rezept, Don Pasqualino, für alle drei Genies zusammen?“